Entwicklungszusammenarbeit

Heks beendet Hilfe in mehreren Ländern

Weil die Beiträge des Bundes und internationaler Geldgeber tiefer ausfallen, schliesst das Heks drei Länderbüros innerhalb eines Jahres. Regula Hafner, stellvertretende Leiterin Globale Zusammenarbeit, führt dafür finanzielle Gründe an. Man müsse konstant überprüfen, wo man die grösste Wirkung erziele.
Eine Senegalesin verarbeitet Hirse zu Couscous. Das Heks stellt per Ende Jahr mehrere Entwicklungsprojekte im Land ein, weil der Kernbeitrag des Bundes weniger frei eingesetzt werden darf. Ein Heks-Fonds für Mikrokredite, den auch das Unternehmen im Bild in Anspruch nahm, soll einer anderen Organisation übergeben werden. (Foto: Christian Bobst/ Heks)

Ende 2025 traf es das Länderbüro für humanitäre Hilfe in Venezuela, vor wenigen Tagen schloss jenes in Moldawien und Ende Jahr geht das Büro für Entwicklungszusammenarbeit im Senegal zu. Das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) schliesst innerhalb eines Jahres drei Standorte in Lateinamerika, Europa und Afrika.

«Das geschieht sicher nicht jedes Jahr», sagt Regula Hafner, stellvertretende Leiterin des Bereichs Globale Zusammenarbeit, im Gespräch mit ref.ch. Zuletzt schloss das Heks vor rund zwei Jahren ein Büro für humanitäre Hilfe im Irak.

Bei der Entscheidungsfindung würden mehrere Faktoren eine Rolle spielen, sagt Hafner: Wo man in einem Programm stehe, wie man die Wirkung und Priorität beurteile, wie viel Unterstützung die Partner noch bräuchten und vor allem: «Wie man die Projekte finanzieren kann.»

Die reichen Länder sparen

Viele Industrienationen sparen bei der Entwicklungszusammenarbeit. Global sind 2025 die Gelder der 38 Mitglieder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) um 23,1 Prozent zurückgegangen. Auch die Schweiz hat ihre Hilfe in den letzten Jahren reduziert. So ist die öffentliche Entwicklungshilfe des Bundes von 2023 bis 2025 von 4,5 auf etwas über 3,7 Milliarden Franken gesunken. Weitere Kürzungen sind aufgegleist.

Die Vereinten Nationen fordern seit 1970, dass die reichen Staaten mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens (dabei wird auch die wirtschaftliche Leistung von Staatsangehörigen im Ausland gemessen) für die öffentliche Entwicklungshilfe einsetzen. Die Schweiz hat dieses Ziel noch nie erreicht, aktuell liegt die Quote etwas über der Hälfte des Uno-Ziels.

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) vergibt jeweils sogenannte Kernbeiträge an Schweizer NGOs, um humanitäre Hilfe und die internationale Entwicklungszusammenarbeit zu fördern. Sie sind ein wichtiger Teil, um die Strategie des Bundes umzusetzen. Die Gelder dienen auch als Hebel, um an weitere Gelder, sogenannte Grants, zu kommen.

Lateinamerika wird abgehängt

Diese Beiträge sind für die Jahre 2025 bis 2026 um 10,5 Prozent reduziert worden. Zudem dürfen neu nur noch zehn Prozent davon für Projekte in Nicht-Deza-Schwerpunktregionen verwendet werden. Das ist eine Folge der politisch beschlossenen Fokussierung der öffentlichen Entwicklungshilfe.

Insbesondere Lateinamerika bekommt das zu spüren: In Venezuela liess das Heks ein rund fünfjähriges Engagement der humanitären Hilfe auslaufen. Mehr als 1,3 Millionen Menschen hatten Zugang zu Nothilfe und landwirtschaftlicher Förderung erhalten. Zudem unterstützte man Projekte im Bereich Wasser- und Sanitärversorgung sowie der Abfallwirtschaft. Auch Projekte in Brasilien und Kolumbien habe man heruntergefahren, sagt Hafner. In Kolumbien leiste man zurzeit nur noch humanitäre Hilfe. «Es wird immer schwieriger, Entwicklungsprojekte in Lateinamerika zu finanzieren.»

Der Rückgang des frei verwendbaren Deza-Kernbeitrages hat das Heks auch veranlasst, sich im Senegal nach Ende des laufenden Länderprogrammes Ende 2026 grösstenteils zurückzuziehen. «Kernbeiträge sind für den Senegal besonders wichtig, weil es schwierig ist, vor Ort oder in der Schweiz Gelder zu finden.» Im westafrikanischen Staat hatte Heks mit regionalen Partnern beispielsweise dafür gesorgt, dass Menschen in der Landwirtschaft aktiv werden konnten. Man stellte Zugang zu fruchtbarem Land sicher, bildete Menschen aus, damit sie Unternehmen gründen und sich ein Einkommen schaffen konnten. Dieses Engagement endet nun.

Weiterführen werde man ein Projekt, das sich um die Zertifizierung und Vermarktung biologischer Produkte sowie den Aufbau eines entsprechenden Marktes drehe. «Dafür gibt es weiterhin einen Geldgeber.» Auch ein kleiner Fonds für Mikrokredite soll weiterlaufen, er wird einer anderen Organisation übergeben. Bis zum Ende des Büros per Ende Jahr befinde man sich in der Konsolidierungsphase. «Wir hatten einen Vorlauf von fast zwei Jahren und die Angestellten entsprechend früh informiert.» Vor Ort habe man fünf Mitarbeitende gehabt.

Zudem schliesst das Heks ihr Büro in Moldawien. Die dortige humanitäre Hilfe startete 2022. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges passierten rund 1,2 Millionen ukrainische Geflüchtete das Land. «Ein Teil blieb vorübergehend.» Das Heks unterstützte rund 22'000 Geflüchtete. Dabei lag der Fokus auf psychosozialer Hilfe, sozialem Zusammenhalt, Unterstützung im Winter und Hilfe durch Bargeldvergabe. «Inzwischen hat der Zustrom stark abgenommen, viele Geflüchtete sind weitergereist.» Auch hier seien die finanziellen Mittel deutlich zurückgegangen.

«Strukturen werden flexibler»

Hafner betont, dass Heks in den letzten Jahren auch neue Länderbüros eröffnet habe. «In der Ukraine waren wir vor 2022 nicht in einem Büro organisiert.» Weiterhin sei man in über 30 Ländern aktiv, in rund 20 davon mit einem Büro.

Interpellation zu geringeren Finanzen

Der Rückgang der Mittel für die Internationale Zusammenarbeit wird auch an der Sommersynode der Reformierten Kirchen Bern Jura Solothurn (Refbejuso) vom 19. und 20. Mai Thema sein. Auf der Traktandenliste findet sich eine Interpellation, die den Synodalrat nach Handlungsmöglichkeiten fragen will. Etwa auf politischer, innerkirchlicher oder finanzieller Ebene. (gab)

Die Zahl der Angestellten pro Büro sei dabei sehr unterschiedlich. In Osten der Demokratischen Republik Kongo habe man 70 Mitarbeitende, in Honduras hingegen fünf. «Das kommt ganz drauf an, ob man auch eigene Projekte umsetzt.» Ziel sei es immer, die lokale Zivilgesellschaft zu stärken und mit Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten.

Grundsätzlich, so Hafner, würden die Strukturen flexibler. «In gewissen Ländern ist das Heks seit einigen Jahrzehnten präsent. Wenn wir heute in neuen Ländern Projekte beginnen, ist der Zeithorizont oft kürzer.» Aktuell befinde man sich in einer Phase, wo man konstant überprüfen müsse, wo das Heks die grösste Wirkung erzielen könne.

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