«Wir haben kein Duplikat von Christoph Sigrist gesucht»
Christian Walti wird neuer Pfarrer im Zürcher Grossmünster. Dabei hatten Sie das Ergebnis der Auswahl erst für den Herbst angekündigt. Weshalb ging es schneller?
Konrad Schmid: Weil wir uns nach den Vorstellungsgesprächen schnell auf eine Person einigen konnten. Eigentlich haben wir den Zeitplan eingehalten, den wir uns vorgenommen hatten. In der Pfarrwahlkommission wollten wir gerne eine Entscheidung vor den Sommerferien herbeiführen, wir hatten aber eine Sicherheitsmarge bis Herbst eingeplant.
Wäre es nicht wieder an der Zeit gewesen für eine Grossmünster-Pfarrerin?
Die erste war Käthi La Roche, die von 1999 bis 2011 im Grossmünster wirkte. Aber natürlich war das Geschlechterverhältnis der Pfarrpersonen im Zürcher Kirchenkreis 1 ein Thema. Wenn man die Pfarrerinnen und Pfarrer nun zählt, sind es drei Frauen und mit Christian Walti drei Männer.
Ging die Kommission auch aktiv auf geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu?
Die Kommission hat das nicht getan. Aber die einzelnen Kommissionsmitglieder waren eingeladen, die Stellenausschreibung an Personen zu senden, die sie für geeignet hielten.
Die Stellenausschreibung las sich so, als suche der Kirchenkreis 1 einen «Christoph Sigrist 2.0»: Viele seiner Eigenschaften waren auch von den Bewerberinnen gefragt.
Das sehe ich nicht so. Wir sagten bewusst: Ein Duplikat von Christoph Sigrist haben wir bei der Auswahl nicht im Blick. Christoph Sigrist ist als Grossmünsterpfarrer eine Grösse für sich gewesen. Er hatte öffentliche Ausstrahlung, war in Politik, Gesellschaft und Kultur vernetzt und stark engagiert. Aber mit seinem Rücktritt haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen. Christian Walti ist ein erfahrener Pfarrer einer Citykirche, er ist sehr vernetzt – auch international – und versteht sich als öffentlicher Akteur.
Was hat letztlich den Ausschlag für ihn gegeben?
Christian Walti ist vor allem sehr vielseitig. Er betätigt sich auf verschiedenen Feldern, hat einen beeindruckenden theologischen Leistungsausweis und grosse Erfahrung in Arbeit und Projekten einer Citykirche. In Bern engagierte er sich ebenso im Begegnungs-, Beratungs- und Kulturzentrum «Dock 8» wie im Haus der Religionen. Er gilt als Teamarbeiter und Netzwerker. Wir suchten jemand, der sich sowohl für den Kirchenkreis 1 als auch für die gesamte Stadtgemeinde einsetzt, und wir hatten den Eindruck, dass er das sehr gut erfüllen wird.