Iran

«Friedensnobelpreis wird Protestbewegung stärken»

Die iranische Menschenrechtlerin Narges Mohammadi hat den Friedensnobelpreis erhalten. Die 51-Jährige musste ihre Rede im Gefängnis verfassen. Ihre 17-jährigen Zwillingskinder verlasen die Ansprache in Oslo.

In Oslo stand für Narges Mohammadi ein leerer Stuhl auf der Bühne. Dahinter hing ein Porträt der neuen Friedensnobelpreisträgerin mit offenem Haar – eine Anspielung auf den Kopftuchzwang im Iran. Mohammadi befindet sich in Haft, ihre Kinder verlasen die Rede an ihrer Stelle. In der Rede schrieb Mohammadi, sie sei eine von Millionen stolzer und widerstandsfähiger iranischer Frauen, die sich gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Tyrannei erhoben hätten. Der Friedensnobelpreis werde die Bewegung stärken.

Das norwegische Nobelkomitee hatte Narges Mohammadi den Friedensnobelpreis «für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihren Kampf für die Förderung der Menschenrechte und der Freiheit für alle» zuerkannt. Mohammadi wurde nach Angaben des norwegischen Nobelkomitees 13-mal verhaftet und fünfmal verurteilt, zu insgesamt 31 Jahren Gefängnis und 154 Peitschenhieben. Sie hat wiederholt über sexuelle Gewalt und andere Misshandlungen im Gefängnis berichtet.

Die Nobelpreise gehen auf den schwedischen Chemiker, Erfinder und Unternehmer Alfred Nobel (1833 bis 1896) zurück und werden traditionell an dessen Todestag, dem 10. Dezember überreicht – der Friedensnobelpreis in Oslo, die übrigen Auszeichnungen in Stockholm. Jede Kategorie ist in diesem Jahr mit einem Preisgeld von elf Millionen schwedischen Kronen (knapp 925 000 Franken) dotiert. (sda/ dst)