Filmklassiker «Die Zehn Gebote»
Als Moses ins Kino kam
Das Wichtigste in Kürze
Warum gilt der Film «Die Zehn Gebote» als Meilenstein der Filmgeschichte?
Der Hollywood-Monumentalfilm «Die Zehn Gebote» feierte am 8. November 1956 in New York Premiere. Mit Charlton Heston als Moses, Yul Brynner als Pharao Ramses II. und spektakulären Spezialeffekten wie der Teilung des Roten Meeres setzte Regisseur Cecil B. DeMille neue Massstäbe. Mit Produktionskosten von 13,5 Millionen Dollar war die Bibelverfilmung damals der teuerste Film der Geschichte.
Welche religiöse und politische Botschaft vermittelte Regisseur Cecil B. DeMille?
DeMille verstand «Die Zehn Gebote» als Geschichte über die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei und den Kampf zwischen Freiheit und Unterdrückung. Während des Kalten Krieges verband der konservative Hollywood-Regisseur die biblische Botschaft mit seiner antikommunistischen Haltung und stellte Gottes Gesetz der Herrschaft von Diktatoren gegenüber.
Warum beeindruckt «Die Zehn Gebote» auch 70 Jahre nach der Premiere?
Die aufwendigen Massenszenen, die Dreharbeiten in Ägypten und auf dem Berg Sinai sowie die Oscar-prämierten Spezialeffekte machen den Bibelfilm von 1956 bis heute sehenswert. Obwohl manche Dialoge und Darstellungen aus heutiger Sicht überholt wirken, bleibt die Inszenierung des Auszugs aus Ägypten ein eindrückliches Beispiel der Hollywood-Filmgeschichte.
Vor 70 Jahren ist Moses vom Berg Sinai in die Kinos hinabgestiegen: Am 8. November 1956 war die grosse Premierenvorführung des Hollywood-Monumentalfilms «Die Zehn Gebote» in New York. Die mehr als drei Stunden lange Bibelverfilmung mit Charlton Heston als Moses und Yul Brynner als Pharao Ramses II. war mit 13,5 Millionen Dollar (nach heutigem Wert 140 Millionen Franken) Produktionskosten damals der teuerste Film der Geschichte. Noch heute läuft er in den USA und in Europa gelegentlich im Fernsehen, oft zu Ostern.
Regisseur Cecil B. DeMille (1881-1959), einer der Grossen der Filmindustrie, erzählt in «Die Zehn Gebote», wie Moses die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Die biblische Darstellung wird angereichert mit Erfundenem – damit, wie sich DeMille das Leben vor tausenden Jahren vorgestellt hat. «Die Zehn Gebote» waren aber auch ein religiöses und politisches Projekt zur Zeit des Kalten Krieges.
«Es war eigenartig und wunderbar und Ehrfurcht gebietend»
Der Prophet Moses, der dem Pharao die Macht seines Gottes demonstriert, ist im Film der Hollywood-urtypische «starke Mann» Heston. Das markante Gesicht des etwa 1,90 Meter grossen, athletischen Schauspielers bekam einen grauen Vollbart aufgeklebt. Als Moses brachte er seinem Volk die Steintafeln mit den Geboten, rief mit donnernder Stimme «Höre, oh Israel!».
Für Heston war der Dreh an Originalschauplätzen in der Wüste in Ägypten und auf dem Berg Sinai anscheinend ein spirituelles Erlebnis. Die Biografie «Charlton Heston: Hollywood's Last Icon» von Marc Eliot zitierte aus Hestons Tagebüchern: «Es war eigenartig und wunderbar und Ehrfurcht gebietend ... auf dem Gipfel des Berges Sinai zu stehen». Er habe auch verstanden, was das biblische zweite Buch Mose mit Moses' Zweifel an seinem Auftrag gemeint habe.
Zu Beginn der Szene vom Auszug aus Ägypten habe Regisseur DeMille mit seiner Pistole in die Luft geschossen, um den Tausenden Komparsen mit ihren unzähligen Tieren den Drehbeginn zu signalisieren. Eliot schrieb auch, Teile der Crew und Schauspieler – mit Ausnahme Hestons – hätten Aufputschmittel genommen, um bei den Dreharbeiten durchzuhalten.
Spektakuläre Spezialeffekte
Mehrere Faktoren machen den Film zu etwas Besonderem, sagte DeMille-Biograf Scott Eyman dem Evangelischen Pressedienst (epd). DeMille habe ein ausserordentlich lebendiges und dramatisches Werk geschaffen, in dem es um den Zusammenstoss von Gut und Böse und von Arroganz und Demut gehe.
Spezialeffekte wie die spektakuläre Darstellung der Teilung des Roten Meeres habe es so noch nie gegeben. Sie wurden mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Schauspieler und Schauspielerinnen, darunter Charlton Heston, Yul Brynner als Pharao und Anne Baxter als spätere ägyptische Königin hätten genau in ihre Rollen gepasst.
Die «New York Times» lobte nach der Uraufführung in New York 1956, die «Zehn Gebote» seien eine bewegende Geschichte «vom Geist der Freiheit, der in einem Mann emporsteige». DeMille sei «der Meister des Schauspiels», schrieb der Fachdienst «The Hollywood Reporter». Der Film sei grossartig.
Regisseur DeMille war konservativ und patriotisch
«Die Zehn Gebote» war das letzte Werk von DeMille, er starb 1959. Zuvor hatte er rund 70 Spielfilme gedreht, angefangen mit Stummfilmen in den 1910er Jahren. Er sei zur «Inkarnation» der Idee von Hollywood geworden, schreibt Eyman 2010 in seiner Biografie «Empire of Dreams: The Epic Life of Cecil B. DeMille» (Deutsch: Imperium der Träume: Das epische Leben von Cecil. B. DeMille).
Der Regisseur war ein konservativer und patriotischer Mann. Die biblischen Zehn Gebote seien die «grundlegenden Prinzipien, ohne die die Menschheit nicht zusammenleben kann», sagte er 1957 bei einer Rede in Utah. Der Film beginnt mit einer Ansprache von DeMille. Das sei ungewöhnlich, räumt er ein. Doch der Film befasse sich mit einem ungewöhnlichen Thema.
Er erzähle «von der Geburt der Freiheit», dozierte DeMille, ob der Mensch nach Gottes Gesetz leben solle oder «nach der Laune eines Diktators», ob der Mensch «Eigentum des Staates» sei oder frei. Dieser Kampf dauere noch heute an. Im realen Leben mischte DeMille sich in den Kampf gegen den Kommunismus ein.
Biograf Eyman beschreibt DeMilles Tätigkeit in den 1940er Jahren und Anfang der 1950er Jahre, als er Informant der Ermittlungsbehörde FBI gewesen sei. Der Regisseur habe dem FBI selbst eine Liste von Personen vorgelegt, die als Informanten rekrutiert werden könnten. FBI-Direktor J. Edgar Hoover habe DeMille als zuverlässig geschätzt, sagte Eyman im Interview.
Sehgewohnheiten von damals
Beim Anschauen des Films muss man sich heute auf die Seh- und Hörgewohnheit von damals einlassen. Einige Dialoge wirken hölzern. Versklavte Männer, die an Ägyptens Prachtbauten schuften müssen, sehen mit ihren muskulösen Oberkörpern aus, als kämen sie aus dem Fitnessstudio.
Aber viele Szenen lassen nachvollziehen, warum der Monumentalfilm so beeindruckte: Charlton Hestons Moses ist ein grosser Prophet. Gott spricht aus dem brennenden Dornbusch. Die biblischen Plagen kommen über Ägypten. Und zahllose Menschen fliehen beim Auszug mit ihren Tieren und Fuhrwerken zwischen den Wassermassen des Roten Meeres in die Freiheit.