USA

Neuer Bonhoeffer-Film sorgt bei Nachfahren für Entsetzen

In diesen Tagen läuft in amerikanischen Kinos ein Film über Dietrich Bonhoeffer an. Darin instrumentalisieren rechtsnationale Evangelikale den Theologen.

In diesen Tagen läuft «Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin» in den US-amerikanischen Kinos an. Schon vor seiner Veröffentlichung hat der Film für hitzige Diskussionen gesorgt. Denn rechte Evangelikale in den USA nutzen den Film, um Dietrich Bonhoeffer für ihre Zwecke zu instrumentalisieren (ref.ch berichtete). Der Theologe Bonhoeffer hatte sich am Widerstand gegen Hitler beteiligt und war kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von den Nazis hingerichtet worden. 

Tobias Korenke, ein Grossneffe von Dietrich Bonhoeffer, hat den Film vor dem Kinostart gesehen. In einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk sagte er, was er davon hält. «Es sind wahnsinnig viele historische Fehler drin», so Korenke. Der Film beginne mit einer «wahnsinnig langweiligen» Szene, in der Dietrich Bonhoeffer mit seinem älteren Bruder Walter vor einem riesigen grossbürgerlichen englischen Landhaus Fangen spielt. «So haben die Bonhoeffers nie gelebt», sagt Korenke.

Der Film würde aber auch Personen komplett falsch darstellen, so etwa den Theologen Martin Niemöller. Im Film hält dieser etwa eine Predigt, die in Realität ein anderer gehalten hat. «Geschmacklos» findet Korenke, dass Bonhoeffer im Film nicht in Flossenbürg im Konzentrationslager hingerichtet wird, sondern auf einem freien Feld. «Drei Galgen nebeneinander sind zu sehen, analog sozusagen zu Jesus Christus. Dietrich Bonhoeffer guckt mit einem dämlich frömmelnden Blick gen Himmel und sagt, er ist bereit und wird dann auf freiem Feld erhängt.»

Beworben wird der Film unter anderem mit einem Plakat, auf dem Dietrich Bonhoeffer eine Schusswaffe hält. «Bullshit», sagt Korenke dazu. Bonhoeffer habe nie eine Waffe in der Hand gehabt. «Das, was Bonhoeffer ausmacht, ist vielmehr seine Theologie, seine christliche Nächstenliebe als gewaltsamer Kampf gegen eine Diktatur», sagt er. Die Darstellung sei eine Verfälschung, die eher zur Gewalt aufruft.

In «Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin» spielen mit August Diehl, Moritz Bleibtreu und Jonas Dassler die erste Garde deutscher Schauspieler mit. Trotzdem glaubt Korenke nicht, dass der Film jemals in Deutschlands Kinos zu sehen sein wird. Dieser sei schlicht zu schlecht, als dass er sich vorstellen könnte, dass sich dafür ein Verleih findet, so der Bonhoeffer-Nachfahre. (eba)

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