Reformierte Missbrauchsstudie

Femmes protestantes lehnen Dunkelfeldstudie ab

Der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) will das Ausmass von Missbräuchen in der reformierten Kirche mittels einer Dunkelfeldstudie untersuchen lassen. Kritik gibt es vom Dachverband der evangelischen Frauen.

Nächste Woche entscheidet die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), ob die Universität Luzern für sie eine repräsentative Umfrage zum Thema Missbrauch durchführen soll (ref.ch berichtete). Für die Studie sollen 20'000 Personen aus der gesamten Gesellschaft zu ihren Missbrauchserfahrungen befragt werden – unabhängig davon, ob sich die Vorfälle auf die Kirche beziehen.

Kritik an den Plänen der Exekutive kommt ausgerechnet von den femmes protestantes – ehemals Evangelische Frauen Schweiz. Der Dachverband setzt sich seit Jahren für die Aufarbeitung von Missbrauch in der evangelisch-reformierten Kirche ein.

Eine Studie solle sich auf das kirchliche Umfeld statt auf die gesamte Gesellschaft konzentrieren, wie er auf seiner Website schreibt. Für diesen Bereich trage die Kirche die Verantwortung – und in diesem Bereich könne sie Veränderungen bewirken. Dazu müssten vor allem die kirchlich-reformierten Strukturen beleuchtet werden, die Missbräuche begünstigten.

Ausserdem befürchten die femmes protestantes eine Retraumatisierung von Missbrauchsopfern, wenn sie für die Umfrage per Brief kontaktiert werden. «Wir wissen, wie schwierig es für Betroffene ist, wenn sie unerwartet mit ihren Missbrauchserlebnissen konfrontiert werden», schreiben sie.

Schliesslich fordern die femmes protestantes mehr Expertinnen aus verschiedenen Bereichen im Beteiligtenrat der Studie. Auch die Rolle dieses Gremiums sollte klarer definiert sein.

Gleichzeitig schreiben die femmes protestantes, dass sie den Kulturwandel hin zu einer besseren Kontrolle und offenen Diskussion zum Thema Missbrauch begrüssen – ebenso wie die Überarbeitung der Schutzkonzepte und der Einrichtung einer nationalen Meldestelle. (pef)