Europapark

Heiraten neben der Achterbahn

Der Europa-Park feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen – die «Kirche im Europa-Park» gibt es seit 20 Jahren. Zeit für einen Besuch bei der Diakonin und dem Diakon, die zwischen Schiffsschaukel und Fjord-Rafting Paare trauen.
Im Themenbereich Skandinavien des Europa-Parks in der Nähe von Freiburg im Breisgau steht eine norwegische Stabkirche. In dem Holzgebäude finden Hochzeiten und Gottesdienste statt. (Bild: Europa-Park)

«Da sind die beiden aus dem Gottesdienst. Können wir ein Selfie machen?» Fünf jüngere Männer aus Regensburg stürmen heran, zücken ihre Handys und stellen sich neben die beiden, die im Europa-Park in Rust Seelsorge bieten: die evangelische Diakonin Andrea Ziegler und der katholische Diakon Thomas Schneeberger. Sie sorgen in dem nach eigenen Angaben grössten Freizeitpark Deutschlands für Hochzeiten, Taufen und Segensfeiern. Hinzu kommen Themengottesdienste, kleine Impulse und Schatzsuchen für Kinder.

Der Europa-Park feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Fast sechs Millionen Menschen besuchen laut den Betreibern jede Saison den Park – darunter rund eine Million aus der Schweiz.

Auch die «Kirche im Europa-Park» feiert dieses Jahr ein Jubiläum: Seit 20 Jahren gibt es sie. Aus diesem Anlass wird auf der Piazza des Hotels Colosseo ein ökumenischer Gottesdienst mit der badischen evangelischen Landesbischöfin Heike Springhart und dem katholischen Freiburger Erzbischof Stephan Burger gefeiert. Im Mai besuchten die Leitungen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Evangelischen Landeskirche in Baden den Freizeitpark, um die Arbeit der «Kirche im Europa-Park» kennenzulernen.

Evangelische Kirchenleute im Freizeitpark: Badens Landesbischöfin Heike Springhardt (1. Reihe, 5.v.r.) und neben ihr Bischof Christian Stäblein aus Berlin mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. (Bild: Europa-Park)

Diakonin Ziegler und Diakon Schneeberger sagen, es sei ihre Aufgabe, der Kirche ein freundliches Gesicht zu geben. Es gehe darum, dass Menschen nicht nur in Krisenzeiten auf Gott stiessen, sondern auch in schönen Momenten. «Gott ist mit dabei, wenn wir Kuchen essen oder Achterbahn fahren», sagt Schneeberger.

In Kontakt mit Ziegler und Schneeberger kommen die Menschen über Instagram oder zufällig beim Besuch im Park. Am Oster-Gottesdienst hätten 260 Menschen teilgenommen, erzählen sie.

Seelsorge im Trubel

Seelsorge-Gespräche führen sie vor allem mit Leuten mit einer Jahreskarte und mit Gästen aus den Hotels. «Im Gegensatz zu den Tagesbesucherinnen haben sie Zeit», sagt Schneeberger. Die Leute erzählen dann von den «kleinen Dingen zwischen Himmel und Erde» und verarbeiten Frust. Manchmal berichten sie plötzlich von einem kranken Verwandten. «Wir können uns dann auch mit Ihnen zurückziehen und lange Gespräche führen», schildert der Diakon.

Zum Angebot im Europa-Park gehören auch Trauungen. Die Paare kommen aus ganz Deutschland, Frankreich oder der Schweiz. Laut Schneeberger seien Menschen darunter, die sich von ihrer eigenen Kirchengemeinde entfremdet hätten. Aber auch Leute, die vom Europa-Park begeistert sind.

Viele Aktionen der Kirche finden in der Stabkirche mitten im Park, zwischen der Schiffsschaukel «Vindjammer» und dem Fjord-Rafting, statt. Wer sich in der Stabkirche das Ja-Wort gebe, der störe sich nicht an den Menschenmassen drumherum und den Schreien aus den Karussells. «Hier sind sie mittendrin. Das Ambiente wünschen sich die, die hier heiraten», sagt Ziegler. Trauungen werden aber auch in der «Jakobuskapelle» im Hotel «Santa Isabel» und in der «Böcklinskapelle» angeboten. Vor einer Hochzeit gibt es zwei Kennenlerngespräche. Ziegler sagt: «Wir legen Wert darauf, mit Menschen in Begegnungen zu kommen.»

Vom Krankenpfleger zum Diakon

Schneeberger erzählt, dass er lange überlegt habe, ob er als Seelsorger im Europa-Park arbeiten will. «Als junger Mann habe ich als Krankenpfleger gearbeitet», berichtet er. Das Leid, das er dort gesehen habe, hat ihn zur Theologie geführt. «Und ich habe mich dann lange gefragt, ob ich in einem Freizeitpark für Menschen da sein könnte.» Nachdem er nun drei Jahre lang als Diakon in Rust tätig sei, könne er dies bejahen.

Die fünf Männer aus Regensburg sagen, sie besichtigten im Urlaub immer Kirchen. Auf das kirchliche Angebot im Europa-Park wurden sie durch Instagram aufmerksam: «Wir dachten, das ist mal was anderes.» Inzwischen haben sie mehrfach zusammen den Park besucht, an Gottesdiensten teilgenommen und auch das Maskottchen «Joy» gekauft – halb Hummel, halb Engel gehört es zur Stabkirche. Die Evangelische Landeskirche in Baden und die Erzdiözese Freiburg haben an der Gestaltung von «Joy» mitgewirkt.

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