Zürcher Landeskirche

Ein «reformiertes Labor» auf dem Prüfstand

Das «RefLab» der Zürcher Landeskirche will mit Podcasts und Blogs Menschen erreichen, die sich von der Kirche entfernt haben. Kritiker bemängeln die hohen Kosten und auch die Inhalte. Nun nimmt der bisherige Leiter den Hut. Wo steht das «RefLab»? Eine Bestandesaufnahme.

Der bisherige RefLab-Leiter Stephan Jütte mit Interviewpartnerin Monika Thut von der Aargauer Landeskirche. (Bild: zVg)

Das RefLab sucht eine neue Leiterin. Der Theologe Stephan Jütte gibt diesen Posten ab und wechselt zur Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) (ref.ch hat berichtet). Jütte betont, dass die Arbeit beim RefLab nicht der Grund für seinen Wechsel sei: «Ich liebe das RefLab und das Team. Aber ich bin nicht mehr die richtige Person, um das Projekt weiterzuführen.» Er ziehe gerne neue Projekte auf, aber Prozesse zu optimieren sei nicht seine liebste Aufgabe. Auch die Kritik am RefLab habe keine Rolle gespielt.

Denn das RefLab ist nicht unumstritten. Das einzigartige Projekt kostet 1,2 Millionen Franken im Jahr, das war bei einer Aussprache an der Frühjahrssynode der Zürcher Landeskirche ein Kritikpunkt. So sagte etwa Jacqueline Sonego Mettner, dass man früher mit dem gleichen Geld mehrere Projekte finanziert habe – und nicht nur ein einziges.

Auch Ivan Walther bezweifelte, ob es wirklich so viel Geld brauche. Auf Anfrage sagte er: «Die Zeiten, in denen sich die Kirche alles leisten konnte, sind vorbei. Deshalb müsste man schauen, wie effizient das RefLab wirklich ist.» Er würde etwa gerne wissen, ob das RefLab wirklich distanzierte Mitglieder der Zürcher Landeskirche anspreche und vielleicht auch Neumitglieder bringe. Er vermutet, dass das RefLab vor allem theologisch interessierte Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum erreiche.

« Das RefLab erreicht sehr viele Leute, der Preis relativiert sich dadurch. »

Friederike Osthof, die bei der Landeskirche für das Projekt verantwortlich ist, lässt die Kritik an den Kosten nicht gelten. «Das RefLab erreicht sehr viele Leute, der Preis relativiert sich dadurch.» Eine Kirchgemeinde koste auch viel und da frage niemand, wie viele Leute sie erreiche. Osthof glaubt, dass die Einschätzung der Kosten eine Frage der Perspektive sei. «Wer in der Kirchgemeinde tätig ist, gibt dieser mehr Gewicht und möchte dort mehr Geld investieren.»

Das RefLab

Im Auftrag der Zürcher Landeskirche produziert ein Team von insgesamt elf Mitarbeiterinnen und mehreren Freiwilligen Podcasts und Blogs. Die Inhalte sind nicht klassisch kirchlich, sondern es geht auch um Netflix-Serien, Yoga und neue Arbeitsformen. Damit will die Zürcher Kirche Menschen erreichen, die sich zwar für Spiritualität und Religion interessieren, sich aber von der Kirche distanziert haben. Laut Angabe des RefLabs besuchen jeden Tag rund 800 Menschen die Webseite, der erfolgreichste Podcast hat über 2000 Hörer pro Folge.

Ein weiterer Kritikpunkt der Synode war, dass Kirchgemeinden zu wenig vom RefLab profitieren würden. So wünschte sich Viviane Baud, dass die Kirchgemeinden einerseits das technische Know-How anzapfen und andererseits im Podcast vermehrt zur Sprache kommen könnten.

Friederike Osthof versteht diesen Wunsch, einbezogen zu werden. Aber die technische Unterstützung sei nicht Teil des Auftrags. Ausserdem seien die Produktionen des RefLab aufwändig, man könne dies nicht 1:1 in Kirchgemeinden nachmachen. Weiter betont Osthof den Auftrag, diejenigen Mitglieder zu erreichen, die nicht am kirchgemeindlichen Leben teilnehmen.

Osthof macht aber klar, dass man beim RefLab die Kritik sehr ernst nehme. «Wir haben genau hingehört und diskutieren, was wir besser machen könnten.» Ausserdem versuche man, das RefLab auch Skeptikern innerhalb der Kirche nahezubringen. «Wir suchen immer das Gespräch und stellen unser Projekt vor. Wir sind Teil der gleichen Kirche und kein Fremdkörper von aussen.»

« Wir sind Teil der gleichen Kirche und kein Fremdkörper von aussen. »

Das kam an der Synode zum Ausdruck, es gab auch viel positives Feedback. So lobte Daniel Oswald den Versuch, digitale Angebote zur Verfügung zu stellen. Auch kritische Stimmen wie Ivan Walther anerkennen den Erfolg. Er unterstreicht, dass er das RefLab nicht abschaffen wolle. «Ich will das Projekt kritisch hinterfragen, ohne destruktiv zu sein. Das dient der Qualitätssicherung.»

Ständige Entwicklung

Das haben auch der bisherige RefLab-Leiter Stephan Jütte und die Verantwortliche Friederike Osthof so aufgefasst. Jütte hatte sich auf heftigere Kritik eingestellt: «Es war gemässigter, als ich es erwartet hatte. Die Kritiker haben ihre Anliegen sehr freundlich präsentiert.» Diese Sicht teilt Friederike Osthof. «Es gab sehr verschiedene Voten. Es hiess aber nie, wir wollen euch abschaffen.»

Deshalb sieht Friederike Osthof der Zukunft des RefLabs entspannt entgegen, trotz Stephan Jüttes Abgang. «Das RefLab ist als Labor konzipiert. Man probiert aus, macht Anpassungen. Das entwickelt sich sowieso ständig.»