Ins Gespräch kommen – mit Podcasts

Ab 2020 ist es online: Das RefLab. Die Reformierte Landeskirche des Kantons Zürich will in diesem Projekt neue Formen ausprobieren, um reformierte Glaubensperspektiven aufzuzeigen. Einige Wochen vor dem Start sei man auf Kurs, sagt Projektleiter Stephan Jütte.

Stephan Jütte ist Leiter des RefLab, das 2020 online geht. (Bild: zVg)

Herr Jütte, was kann man vom RefLab ab 2020 erwarten?
Wir können noch nicht alles im Detail verraten, aber es werden Audio- und Videopodcasts sowie Blogs sein. Ein Podcast wird sich zum Beispiel Netflix-Serien widmen. Ein Gast bringt jeweils eine Serie mit, die er besonders mag. Dann diskutiert man, was diese Serie über Kultur und Gesellschaft, aber auch über religiöses Denken aussagt. Ein anderer Podcast widmet sich vor allem neuen Spiritualitätsformen und stellt Fragen wie: Wo finden Menschen heute Halt oder Antworten auf Sinnfragen? Wie bewältigen sie Lebenskrisen?

Podcasts leben stark von den Menschen, die sie produzieren. Wer macht das beim RefLab?
Einerseits ist das ein Kernteam, das sich auch um Marketing und Technik kümmert. Andererseits arbeiten wir mit Menschen zusammen, die vor allem Inhalte bringen. Zum Beispiel produziert der Autor und Slam Poet Etrit Hasler zusammen mit Andreas Kessler, auch Slam Poet und Theologe, das Format «abgekanzelt». Die Pfarrerin der Swiss Church in London, Carla Maurer, macht den Podcast «More Tea, Vicar?».

Haben Sie persönlich auch Podcast-Vorbilder?
Ich habe lustigerweise mehr Vorbilder im ausserkirchlichen Bereich. Zum Beispiel hat es im «Einschlafen Podcast» immer wieder wunderbare Passagen, wo der Sprecher auch über Religion nachdenkt, was sie ihm bedeutet, über Spiritualität, im sehr persönlichen Sinn.

Was erhoffen Sie sich von den Podcasts und den Blogs, die im RefLab entstehen?
Ich hoffe, dass es zu Interaktionen kommt mit den Leuten, die das hören. Das kann eine Bewertung sein, ein Feedback oder eine Idee. Wir sind jetzt noch ganz am Anfang und wollen uns entwickeln. Dafür brauchen wir Leute, die sich involvieren. Wir hoffen deshalb, dass die Community uns bald aktiv Rückmeldungen gibt.

Mit dem «diesseits»-Blog haben Sie schon versucht, kirchenferne Personen anzuziehen, schlussendlich kam das Publikum aber doch meist aus Kirchenkreisen. Soll das nun mit den Podcasts gelingen, Menschen in die Kirche zurückzubringen?
Wir wollen keine neuen Kirchenmitglieder gewinnen, sondern die Mission der Kirche umsetzen. Unser Ziel ist es, das Evangelium in seiner ganzen Vielfalt für alle Menschen in der Gesellschaft vernehmbar machen. Die Vielfalt ist denn auch in unseren Podcasts hörbar: Unsere Mitarbeiterinnen verstehen das Evangelium ganz unterschiedlich und bei unseren Zuhörern ist das wohl nicht anders. Wie nah oder entfernt die Interessierten von uns sein wollen, das sollen sie selbst entscheiden.

Geht es also vor allem darum, eine modernere, heutigere Form für die Verkündigung des Evangeliums zu finden?
Ich habe Mühe mit dem Begriff «modern». Wenn man sagt, wir wollen eine modernere, coolere Form finden, dann ist das etwa das Uncoolste und Unmodernste, was man sagen kann. Unser Stil ist davon geprägt, dass wir einfach noch nicht wissen, wie es mit dem Christentum in der Gesellschaft ist, welches die zentralen Werte sind. Darum wollen wir Gespräche führen und mit den Menschen gemeinsam rausfinden, was uns zusammenhält, antreibt und Hoffnung gibt.

Das RefLab ist noch nicht online – hat man auch einen Plan B, wenn es jetzt nicht so ankommt?
Es gibt keinen Plan B, der eine komplette Alternative bietet. Sondern der Plan B läuft eigentlich ständig mit. Wir evaluieren alles laufend und versuchen es zu verbessern.