Der Pfuusbus bereitet sich auf Rekordansturm vor

Ab dem 15. November können Obdachlose in Zürich wieder im Pfuusbus des Sozialwerks des verstorbenen Pfarrers Ernst Sieber übernachten. Wie schon im Vorjahr rechnen die Sieberwerke mit einem Grossandrang. 

Der Pfuusbus des Sozialwerks Ernst Sieber bietet bis zu 50 Obdachlosen Platz. (Bild: zvg)

Wie gefährlich fallende Temperaturen für Obdachlose sein können, zeigte sich vergangene Woche in Hamburg. Dort ist eine 43-Jährige auf einer Parkbank erfroren. Damit es in der Stadt Zürich nicht zu solchen Tragödien kommt, öffnet auch dieses Jahr am 15. November der Pfuusbus des Sozialwerks des verstorbenen reformierten Pfarrers Ernst Sieber. «Zurzeit laufen die letzten Vorbereitungen. Wir suchen noch Schlafsäcke», sagt Walter von Arburg, Leiter Kommunikation des Sozialwerks. Besonders Armeeschlafsäcke mit einer wasserabweisenden Hülle könne man für jene gebrauchen, die draussen schlafen. 

Ebenfalls sei man noch auf der Suche nach Freiwilligen. «Pfarrer Sieber war es immer wichtig, dass sich Freiwillige aus Nächstenliebe um die Obdachlosen kümmern und diese Arbeit nicht allein an professionelle Sozialarbeiter delegiert wird», sagt von Arburg. «Alles andere wäre finanziell auch nicht zu stemmen.» Bis Ende Saison werden ingesamt 100 solche Freiwillige im Einsatz sein. «Bis jetzt konnten wir noch immer jeden Posten besetzen», sagt von Arburg. 

Grossandrang wegen geräumten Häusern

Dass es all diese Helfer braucht, zeigte sich im letzten Winter. Damals war der Ansturm auf den Pfuusbus besonders gross. Laut von Arburg sei das vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: Seit September 2017 weist der Flughafen Zürich Personen ohne gültiges Flugticket strenger weg. Zum anderen hatten viele Personen bei der Räumung der sogenannten Gammelhäuser im Kreis 4 ihr Zuhause verloren. «Sie kamen deshalb zu uns», sagt von Arburg.

Entscheidend dürfte zudem das Konzept des Pfuusbus gewesen sein: Niederschwelligkeit und Gemeinschaft. «Letzteres ist für Obdachlose, die allesamt an Vereinsamung leiden, besonders wichtig.» So seien die 50 Plätze manchmal schnell voll gewesen. «Mehr nehmen wir nicht auf, da es sonst zu eng wird und das die Gemeinschaft zu sehr belastet.»

Auch in diesem Jahr rechnen die Sieberwerke mit einen Grossandrang auf den Pfuusbus. Wer dort keinen Platz mehr findet, der kann laut von Arburg Unterschlupf bei der städtischen Notschlafstelle finden. «Das Problem ist allerdings, dass diese nur Personen aus der Stadt aufnimmt. Wir hoffen, dass sie auch in diesem Winter ausnahmsweise Nichtstädtern Unterschlupf gewähren.» Schliesslich nutzten auch viele Obdachlose aus der Stadt die Sieberwerke. Im Gegensatz zur städtischen Notschlafstelle ist der Pfuusbus gratis. «Unser Angebot ist etwas niederschwelliger als jenes der Stadt und bei uns müssen sie auch keinen Fünfliber zahlen», sagt von Arburg. Dass der Pfuusbus allerdings bis auf den letzten Platz besetzt ist, komme im Winter nur in wenigen Nächten vor. 

Leuchtturm Ernst Sieber

Laut von Arburg habe der Tod von Pfarrer Ernst Sieber in diesem Jahr keinen Einfluss auf die Arbeit des Pfuusbusses. «Ernst hat sich in den letzten Jahren nicht mehr ins Tagesgeschäft eingemischt und war kaum mehr vor Ort», sagt von Arburg. Bei den Spenden allerdings könnte sich der Tod von Ernst Sieber eventuell bemerkbar machen. «Er ist der Leuchtturm der Sieberwerke gewesen. Durch seine zahlreichen Auftritte in den Medien waren sie immer wieder Thema in der Öffentlichkeit», sagt von Arburg. Die sich immer wieder zeigende Solidarität grosser Teile der Gesellschaft mit dem Sozialwerk Pfarrer Siebers stimme ihn allerdings zuversichtlich, dass die Arbeit Ernst Siebers auch in Zukunft Bestand hat