Trauerfeier für Charlie Kirk
Rechter US-Aktivist als «Märtyrer» verabschiedet
Schon im Morgengrauen versammelten sich Tausende vor dem Stadion in Glendale im Bundesstaat Arizona, wo Kirk zuletzt mit seiner Familie gelebt hatte. In der Schlange stimmten sie «USA»-Rufe an, viele waren in Rot, Weiss oder Blau gekleidet – wie von der von ihm gegründeten Organisation Turning Point USA erbeten. Die Arena fasst bis zu 73’000 Zuschauer, zusätzlich wurde eine weitere Halle für diejenigen eingerichtet, die nicht mehr hineinkamen.
Um ins Stadion zu gelangen, mussten sie ausführliche Sicherheitskontrollen passieren. Nach US-Medienberichten stufte das Heimatschutzministerium die Trauerfeier auf eine ähnliche Sicherheitsstufe wie den Superbowl oder den New-York-Marathon ein. Das Rednerpult auf der Bühne befand sich hinter dickem Panzerglas.
Witwe vergibt dem Attentäter
Am Mittag (Ortszeit) begann das Programm – mit christlicher Musik, Gebeten und Gesang. «Ihr werdet vom Who’s Who hören», kündigte ein Pastor an. Auf der Rednerliste standen neben Kirks Witwe Erika auch Präsident Trump und Vizepräsident JD Vance. Trump sprach als grosser Höhepunkt bei der Feier.
In ihrer Rede sagte Witwe Erika Kirk, sie vergebe dem Attentäter. Die Antwort auf Hass sei nicht Hass, erklärte sie der Menge. Die Antwort des Evangeliums sei vielmehr Liebe. «Das ist es, was Christus getan hat und was Charlie tun würde», betonte sie.
Andere Töne schlug der US-Präsident an. Trump bezeichnete Charlie Kirk als «Märtyrer für die amerikanische Freiheit». Kirk sei von einem «radikalisierten, kaltblütigen Monster auf abscheuliche Weise ermordet» worden, sagte er. Der 31-Jährige sei getötet worden, weil er sich «für Freiheit und Gerechtigkeit, für Gott und sein Land, für Vernunft und gesunden Menschenverstand eingesetzt» habe. Das Attentat habe ihn «unsterblich» gemacht.
Zahlreiche weitere Regierungsvertreter waren bei der Trauerfeier dabei. Auch Tech-Milliardär Elon Musk liess sich im Stadion blicken. Wegen der vielen Teilnehmer aus dem Weissen Haus wurden laut Reportern zwei Flugzeuge für die Anreise aus Washington benötigt.
Auf der Bühne erinnerten sich auch andere Weggefährten Kirks an den 31-Jährigen. Mit stark religiös aufgeladener Sprache wurde Kirk nicht nur als Verstorbener, sondern auch als Symbolfigur für die Zukunft der von ihm mitgeprägten «Make America Great Again»-Bewegung dargestellt.
Trauer, Wut, Verschwörungstheorien
Wie eng sich Trauer, Wut, religiöse Botschaften und politische Deutung bei der Feier verbanden, zeigte sich in den Reden auf der Bühne. Manche riefen zu Liebe und Einheit auf, erzählten von persönlichen Erinnerungen an Kirk. Andere schlugen deutlich härtere Töne an und knüpften dabei teils an die «Great Replacement Theory» an – eine in rechtsextremen Kreisen verbreitete Verschwörungserzählung, wonach Migration und gesellschaftlicher Wandel einen gezielten Austausch der weissen Mehrheitsbevölkerung herbeiführen sollen.
«Wir werden über die Mächte des Unrechts und des Bösen siegen», sagte etwa Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller. Der ultrarechte Kommentator Benny Johnson rief die Menge auf, zu heiraten und Kinder zu bekommen, «damit Millionen neuer Charlie Kirks entstehen und wir unser Land retten können».
Der gewaltsame Tod Kirks vor laufenden Kameras hat die amerikanische Rechte tief erschüttert. Der Aktivist machte sich als Verfechter der Meinungsfreiheit einen Namen. Mit seiner Organisation Turning Point USA besuchte er Hochschulen und forderte Studierende – auch solche mit anderer politischer Haltung – zur Debatte heraus. Kritiker warfen ihm rassistische, homophobe und sexistische Ansichten vor. Bei einer solchen Veranstaltung wurde Kirk am 10. September im Bundesstaat Utah erschossen. (sda/ no)