Sozialalmanach 2025
Caritas geht von zunehmender Armut aus
Die Teuerung hat in der Schweiz seit Mitte 2023 nachgelassen. Trotzdem kann laut der Caritas von Entspannung keine Rede sein: Die Konsumentenpreise stiegen seither einfach weniger stark. Insbesondere die Krankenkassenprämien und die Wohnungsmieten würden nur eine Richtung kennen: Nach oben.
Dies sei vor allem für Menschen ein Problem, die ohnehin schon wenig haben, schreibt das Hilfswerk in seinem Sozialalmanach 2025. «Je ärmer ein Haushalt, desto mehr Geld gibt er im Verhältnis zu seinem Einkommen für Konsumgüter aus. Steigen also die Konsumentenpreise, ist das für ärmere Haushalte ein viel grösseres Problem als für reichere.»
Dass der Druck zugenommen habe, merke die Caritas auch bei ihrer Arbeit an der Basis: «In den Caritas-Märkten wurden im Jahr 2023 30 Prozent mehr Einkäufe getätigt als noch 2021. Der Umsatz stieg im selben Zeitraum um 35 Prozent.» Besonders bei den Grundnahrungsmitteln sei die Nachfrage gestiegen, während der Umsatz bei den Süssigkeiten zurückgegangen sei. «Das zeigt, dass die Menschen ihr Geld für das Nötigste ausgeben.» Zudem habe die Nachfrage nach Sozial- und Schuldenberatungen zugenommen, und die regionalen Caritas-Organisationen hätten deutlich mehr finanzielle Unterstützung geleistet.
Die Caritas weist darauf hin, dass die offiziellen Zahlen zur Armut in der Schweiz die Situation noch nicht abbilden würden, da sie mit rund drei Jahren Verzögerung publiziert werden. «Die Preissteigerungen ab Frühjahr 2022 sind noch nicht berücksichtigt. Die Erfahrungen der Caritas deuten darauf hin, dass die Armut seither eher noch zugenommen hat», hält das Hilfswerk fest.
Angesichts dessen sei die Reaktion von Bund, Kantonen und Gemeinden ungenügend. «Es fehlt der politische Wille, eine Schweiz ohne Armut wirklich erreichen zu wollen», wird Peter Lack, Direktor der Caritas Schweiz, in der Medienmitteilung zum Sozialalmanach 2025 zitiert. Angesetzt werden müsse in der Familienpolitik, aber auch bei den Löhnen und Renten.
Der Sozialalmanach der Caritas ist ein jährlicher Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Schweiz. Dieses Mal liegt der Fokus auf dem Thema Aus- und Weiterbildung sowie der Frage, wie sich diese auf Armut und Ungleichheit auswirken. (vbu)