Brot für alle kritisiert Steuervermeidung
Vor dem Sitz von Tochtergesellschaften des Luxemburger Agrarkonzerns Socfin in Freiburg hat Brot für alle (Bfa) eine Aktion durchgeführt. Damit wollte Bfa den Konzern dazu auffordern, Steuervermeidung zu stoppen, wie es in einer Medienmitteilung vom 20. Oktober heisst.
Ein neuer Bericht von Bfa, Alliance Sud und dem Netzwerk Steuergerechtigkeit zeigt am Beispiel des Agrarkonzerns auf, wie Firmen ihre Steuern «optimieren». Socfin produziere in Afrika und Asien Palmöl und Kautschuk. Die Firmenstruktur sei komplex, hält der Bericht fest. So werde ein grosser Teil des Kautschuks über eine Tochterfirma gehandelt, die im Kanton Freiburg ansässig ist. Eine weitere Tochterfirma in Freiburg kümmere sich unter anderem um das Management der Plantagen.
Tiefer Steuersatz in der Schweiz
Insgesamt erzielte Socfin laut dem Bericht 2020 einen Gewinn von 29,3 Millionen Euro. Doch dabei variiere der Gewinn je nach Region sehr stark. Dort, wo die Steuersätze tief sind, gebe der Konzern einen hohen Gewinn an. Dies trifft etwa auf die Schweiz zu, wo das Unternehmen mit weniger als 14 Prozent besteuert wird. In anderen Ländern, wo die Steuersätze höher sind, verzeichne Socfin einen viel tieferen Gewinn. In afrikanischen Ländern mit Steuersätzen zwischen 25 und 33 Prozent müsse die Firma deshalb viel weniger Steuern abliefern.
«Dies ist ein typisches Muster für konzerninterne Gewinnverschiebungen mit dem Ziel, Steuern zu vermeiden», heisst es in der Mitteilung. Diese Praxis sei weitverbreitet und nicht zwangsläufig illegal. Aber sie sei sehr ungerecht, kritisieren Bfa, Alliance Sud und das Netzwerk Steuergerechtigkeit. Damit erhielten die Produktionsländer im Süden weniger Steuereinnahmen, die sie dringend benötigen würden. Das verstärke die globale Ungleichheit. Die drei Organisationen gehen davon aus, dass pro Jahr rund 80 Millionen Euro Gewinne aus Entwicklungsländern in Tiefsteuergebiete wie die Schweiz verschoben werden.
Verluste trotz guten Bedingungen
Gleichzeitig profitiere Socfin von günstigen Landkonzessionen für die Plantagen. Die Bevölkerung werde aber nur ungenügend kompensiert. Trotz dieser vorteilhaften Bedingungen mache Socfin auf einzelnen Plantagen Verluste. Laut dem Bericht ist dies ein weiterer Hinweis auf Gewinnverschiebungen in steuergünstige Länder.
Die Schweiz hingegen profitiere von den zusätzlichen Steuereinnahmen. Bfa, Alliance Sud und das Netzwerk Steuergerechtigkeit fordern deshalb, dass die Schweiz ihre Steuerpolitik transparenter und Steuerabkommen öffentlich machen soll. Ausserdem soll die Schweiz sich für ein Steuersystem einsetzen, das Gewinne dort besteuert, wo sie entstehen. (mos)