Deutschland

Bindung an die Kirchen schwindet stark

Religiosität und Kirchenbindung nehmen in Deutschland ab. Das belegt eine repräsentative Studie. Kirchenaustritte wiederum nehmen deutlich zu.

Religiosität und Kirchenbindung der Deutschen schwinden schneller als vermutet. Das ist ein zentrales Ergebnis der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, welche die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlicht hat. Konkret heisst das: Geht der Trend weiter wie bisher, werden bereits im Jahr 2024 weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland sich als mit der Kirche verbunden bezeichnen.

Zudem werden die Konfessionslosen voraussichtlich Ende der 2020er Jahre die 50-Prozent-Marke überschreiten, wie es in der Studie heisst. Die Erhebung kommt zu einem weiteren überraschenden Schluss: Die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche wird sich nicht erst 2060 halbieren, wie das eine andere Studie vorhersagte. Dieser Punkt werde schon 2040 erreicht sein.

Die Forschenden wollten auch wissen, ob die Befragten einen Kirchenaustritt erwögen. Sie hörten häufiger ein Ja als ein Nein: Nur 27 Prozent der befragten Katholiken schliessen einen Kirchenaustritt derzeit aus. Bei den Evangelischen sind es 35 Prozent. Die letzte Untersuchung vor rund zehn Jahren kam noch auf einen Wert von 74 Prozent.

Viele Säkulare auch unter Kirchenmitgliedern

Religiöse Menschen seien in der Gesellschaft schon heute deutlich in der Minderheit, heisst es in der Studie (vgl. Grafik). 13 Prozent der Befragten verstehen sich als kirchlich-religiös, 25 Prozent als religiös-distanziert, 56 Prozent sind Säkulare, denn auch unter den Kirchenmitgliedern verstehen sich nicht alle als religiös.

Derzeit ist noch eine knappe Mehrheit der Deutschen christlich-konfessionell gebunden. Zählt man die Mitglieder aller christlicher Konfessionen, auch der Orthodoxen und Freikirchen, zusammen, machte deren Bevölkerungsanteil Ende 2022 52 Prozent aus.

Die Studie zur Kirchenmitgliedschaft in Deutschland erscheint seit 1972 etwa alle zehn Jahre. In der aktuellen Studie wurden erstmals auch repräsentative Ergebnisse für katholische Kirchenmitglieder mit erhoben. Insgesamt wurden 5282 Personen befragt. (epd/ dst)