«Brot für die Welt»
Bericht: Zivilgesellschaft weltweit in Gefahr
Nur wenige Menschen leben dem neuen «Atlas der Zivilgesellschaft» zufolge noch in Ländern mit umfassenden Freiheitsrechten. Gerade einmal 3,4 Prozent der Weltbevölkerung wohnten in Staaten, in denen Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit garantiert seien, erklärte das evangelische Hilfswerk «Brot für die Welt» in Berlin zur Vorstellung des diesjährigen Berichts. Die Räume für die Zivilgesellschaft würden weltweit enger, auch in der Schweiz. Hier hat sich laut dem Bericht die Situation zwischen 2023 und 2025 verschlechtert.
Die grosse Mehrheit der Menschen könne ihre Stimme nicht frei erheben – oder tue es unter erheblichen Risiken, betonte «Brot für die Welt»-Präsidentin Dagmar Pruin. Etwa 73 Prozent der Weltbevölkerung lebten in Staaten, in denen der zivilgesellschaftliche Raum unterdrückt oder vollständig geschlossen sei.
Globales Phänomen
Die Entwicklung sei kein Randphänomen, sagte Pruin. «Sie ist global. Und sie verschärft sich.» In manchen Ländern würden schleichend neue Gesetze erlassen und bürokratische Hürden aufgebaut, um zivilgesellschaftliches Engagement zu erschweren und Menschen einzuschüchtern. In anderen Ländern gebe es hingegen offene Repression, Gewalt und Verfolgung.
Eines der wirksamsten Instrumente sei die Desinformation, heisst es in dem Bericht. Sie sei ein Machtinstrument und eine der größten Bedrohungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Stabilität von Demokratien weltweit.
15 Absteiger
Der von «Brot für die Welt» herausgegebene Bericht basiert auf Erhebungen des Netzwerks für bürgerschaftliches Engagement Civicus. Er bewertet jährlich den Stand der weltweiten Freiheitsrechte in einer fünfstufigen Skala mit den Kategorien offen, beeinträchtigt, beschränkt, unterdrückt, geschlossen.
Insgesamt verschlechterte sich der Stand laut Bericht in 15 Ländern. Darunter seien neben der Schweiz auch Deutschland, Italien, Frankreich und die USA. Auch nicht-staatliche Akteure schränkten zivilgesellschaftliche Freiheit ein.
Zugleich widersetzten sich zivilgesellschaftliche Gruppen dieser Entwicklung – oft unter grossen persönlichen Risiken. Sie dokumentierten Menschenrechtsverletzungen, deckten Desinformationskampagnen auf und schüfen Räume für Austausch und Solidarität. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft weiter schrumpfen, betonte Pruin. (epd/ dst)