Kirchenratspräsident droht «Abstrafung»

Am Mittwoch soll an der reformierten Synode Basel-Stadt der Kirchenratspräsident Lukas Kundert mit einer Resolution «abgestraft» werden. Das schreibt die Basellandschaftliche Zeitung. Ein Kenner der Verhältnisse relativiert diese Darstellung.

Streit um das Berufungsverfahren: Bei der wohl letzten Gefechtshandlung in dieser Causa kommt eine Resolution zum Einsatz. Im Bild: Ritter Georg kämpft am Basler Münster mit einem Drachen. Bild: Wladyslaw Sojka/Wikimedia

Dramatisch liest sich der Artikel in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 19. Juni. So soll der Basler Kirchenratspräsident Kundert an der reformierten Synode Basel-Stadt mittels einer Resolution eine «öffentliche Abstrafung» erfahren. Nachfolgend zusammengefasst die Ereignisse. Zwei Synodalmitglieder mit Nähe zur Universität verfassten eine Resolution zuhanden der evangelisch-reformierten Synode Stadt-Basel, darin heisst es unter anderem: «Die Synode appelliert an den Kirchenrat, alles zu unternehmen, um die traditionell guten Beziehungen zwischen Kirche und Fakultät nicht zu gefährden.» 25 von insgesamt 80 Synodalen setzten ihre Unterschrift darunter. Sie hat somit reelle Chancen, an der Synodensitzung von morgen Mittwoch überwiesen zu werden.

Unscheinbarer Text mit Brisanz

Einigermassen brisant wird der auf den ersten Blick unscheinbare Resolutionstext erst, wer ihn als Folge des Berufungsverfahren um den Lehrstuhl des Neuen Testaments an der Universität Basel sieht – womit der Münsterpfarrer Lukas Kundert ins Spiel kommt. Dieser trägt strukturbedingt zwei Hüte in der ganzen Sache: Kundert ist Präsident des Kirchenrats von Basel-Stadt, er steht somit an der Spitze der reformierten Exekutive im Kanton. Zugleich ist er aber auch Titularprofessor für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Basel. In dieser Funktion äusserte er zu einem früheren Zeitpunkt Kritik am Berufungsverfahren.

Kundert sieht sich in der Resolution «einseitig vorverurteilt»

Dass die Resolution als Retourkutsche an Kunderts Kritik zu verstehen ist, bestätigt Resolutionstext-Mitverfasser Adrian Portmann, Theologe und Studienleiter des Forums für Zeitfragen, in der Basellandschaftlichen Zeitung indirekt. Zwar wolle man nicht auf die Person Kundert spielen, so Portmann gegenüber der Zeitung, um dann aber doch anzufügen: «Auch wenn sich der Kirchenratspräsident am weitesten aus dem Fenster gelehnt hat, ist am Ende der gesamte Kirchenrat für die öffentlichen Stellungnahmen der Kirche verantwortlich.»

Lukas Kundert weilt im Ausland, er wird an der morgigen Synoden-Sitzung nicht anwesend sein. In einem fünfseitigen Dokument an die Unterzeichnenden der Resolution hat er allerdings seine Sicht der Dinge dargelegt. Darin schreibt er gemäss der Basellandschaftlichen Zeitung, dass er den Eindruck habe, dass ihn die Resolution einseitig vorverurteilt habe. Auch fürchtet er sich, dass «diese öffentliche Debatte sowohl der Kirche als auch der Fakultät erheblichen Schaden zufügt». Die Zeitung schliesst daraus: «Mittlerweile kann man von einem offenen Streit in der reformierten Kirche sprechen.»

Doppelfunktion Kunderts mache die Situation «anspruchsvoller»

Ein Kenner der Verhältnisse vor Ort kann in der ganzen Geschichte keinen offenen Streit in der reformierten Kirche erkennen. Vielmehr sei es ein Konflikt im universitären Umfeld, der mit der Landeskirche nicht sonderlich viel zu tun habe. «Dabei geht es um Machtpolitik, Befindlichkeiten und Fragen der Ausrichtung einer Fakultät, insgesamt also alles im Rahmen dessen, was man von Konflikten an anderen Universitäten und Fakultäten längst kennt.» Einzig die Doppelfunktion von Lukas Kundert als Kirchenrats-Präsident und Titularprofessor mache die Situation insgesamt anspruchsvoller. Allerdings sei auch dies kein Novum: «Die Geschichte zeigt, dass zwischen der reformierten Landeskirche und der Theologischen Fakultät der Universität Basel personell immer ein reger Austausch bestand – und zwar durchaus gewollt.»

Artikel in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 19. Juni
In der reformierten Kirche tobt ein offener Streit

ref.ch berichtet am Mittwoch aktuell von der Synode in Basel.