Neutestamentliche Grabenkämpfe an der Universität Basel

Im Basler Streit um die Neubesetzung der Stelle des abtretenden Neutestamentlers Ekkehard Stegemann soll das Berufungsverfahren überprüft werden. Wie konnte es zu diesem Konflikt kommen?


«Skandal», tönte es dieser Tage aus Basel auf der einen Seite, «Behinderung akademischer Innovation» auf der anderen. Die Rede ist von der erbitterten Diskussion um die Nachfolge des abtretenden Neutestamentlers Ekkehard Stegemann. Publik geworden war der Fall im Juli durch den Kirchenratspräsidenten der reformierten Kirche Basel-Stadt Lukas Kundert, der gleichzeitig Titularprofessor für Neues Testament ist. 37 Bewerbungen waren eingegangen. Sieben kamen in die engere Wahl, davon zwei Frauen, beide Deutsche, eine von ihnen nicht habilitiert. Dagegen wurde keine Schweizerin eingeladen, obwohl sich nach Kundert drei beworben hatten, «hervorragend ausgewiesene Fachfrauen» mit Lehrerfahrung an Hochschulen oder Habilitation, wie Kundert gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung» am 8. August sagte. Das Verfahren sei «skandalös gelaufen».

Frauenfeindlichkeit und Deutschtümelei?

Ist die Basler Theologische Fakultät also frauenfeindlich, wie es einige behaupten? Oder eine «bundesrepublikanische Fakultät auf Schweizer Boden», wie Kundert laut der katholischen Nachrichtenagentur Kipa am 18. August in einem internen Dokument zuhanden des Kirchenrats sagt? Oder liegen die Gründe noch ganz woanders? Eine Frau stünde der Basler Theologischen Fakultät tatsächlich gut an: Alle neun ordentlichen Professuren liegen in männlicher Hand. Und sieben von ihnen kommen tatsächlich ursprünglich aus Deutschland. Und auch unter den in die engere Wahl gekommenen Bewerbern und Bewerberinnen ist laut Kundert kaum ein Schweizer. Die künftigen Pfarrpersonen müssten jedoch auch den Umgang mit ihrer reformierten Tradition lernen, so Kundert zu Kipa. Dekan Martin Wallraff dagegen will weder Frauenfeindlichkeit noch Deutschtümelei gelten lassen. Es gebe zu wenig geeignete Kandidatinnen. Was die Deutschlastigkeit angehe, sei er sich bewusst, dass die Basler Theologie «keine Fakultät im Niemandsland sei». Aber auch von den aus Deutschland stammenden Professoren lebten einige schon seit Jahrzehnten in der Schweiz und sind in der Ortskirche engagiert. Im übrigen sei nicht Geschlecht oder Nationalität das vorrangige Kriterium, sondern eine ausgewiesene Qualität in Forschung und Lehre. Dieser Ansicht ist auch Kathrin Frey, Vertreterin der Studierenden in der Berufungskommission. Natürlich wünsche sich ein Grossteil der Studierenden eine Schweizer Frau. «Was uns aber einstimmig wichtiger ist, ist die Qualität in der Lehre, das Eingehen auf die Bedürfnisse der Studierenden und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich und anregend zu vermitteln», sagt Frey. Sie habe den Eindruck, dass diese Anliegen der Studierenden in der Kommission sehr ernst genommen worden seien.

Gespräch mit Universitätsrektor soll zur Konfliktlösung beitragen

Bei der Frage der Eignung der Schweizer Kandidatinnen müssen auch theologische und personale Gründe berücksichtigt werden. Es geht um den Ansatz der Stegemann-Schule, der mit den schweizerischen Kandidatinnen fortgesetzt würde. Laut Wallraff bräuchte die Fakultät aber nicht Fortsetzung, sondern «Innovation», Kandidaten von aussen seien eine Art «Frischzellenkur». Zu einer Lösung des Konflikts könnte das Gespräch beigetragen haben, das am vergangenen Montag zwischen den betroffenen Parteien und dem Universitätsrektor Antonio Loprieno stattfand. Darin wurde laut Wallraff vereinbart, dass das Geschäft offenbleibt und an die Fakultätsversammlung geht. Es könnte sein, dass die Berufungskommission daraufhin noch weitere Bewerber und Bewerberinnen einlädt. Kundert wollte sich nach der auf das Gespräch folgenden Kirchenratssitzung gegenüber der «Reformierten Presse» nicht mehr zu dem Fall äussern.