Uni Basel: Fakultätsbashing in der nächsten Runde

Der Streit um die Neubesetzung der Professur des emeritierten Neutestamentlers Ekkehard Stegemann geht weiter. Obwohl das Bewerbungsverfahren eigentlich normal abläuft.


Kaum sind die Favoriten für die vakante Professur an der Theologischen Fakultät (inoffiziell) bekannt, geht das Bashing weiter: Die «Basellandschaftliche Zeitung» («BZ») kritisiert, dass «keine der gut qualifizierten und renommierten Schweizer Kandidatinnen» angehört wurde. Die Fakultät wolle offenbar ein Männerclub bleiben, schreibt die «Solothurner Zeitung». Bedenklich findet das Resultat auch Rosmarie Schümperli, Präsidentin Akademikerinnen-Vereinigung Basel: «Ich fordere vom Rektor, dass er dafür sorgt, dass alle Bewerbungen nochmal geprüft werden.»

Diverse Zeitungen bringen so erneut die Meinung von Lukas Kundert zum Ausdruck. Der Basler Kirchenratspräsident, Titularprofessor und Stegemann-Schüler hatte das Verfahren «skandalös» und frauenfeindlich genannt. Auch Stegemann versuchte Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers zu nehmen.

«Die mediale Deutungshoheit über die Vorgänge liegt in den Händen derjenigen, die den Ruf der Fakultät schädigen», bedauert Reinhold Bernhardt, Theologieprofessor in Basel. Denn die am Bewerbungsverfahren Beteiligten müssten sich mit der Weitergabe von Informationen zurückhalten.

Frauen mit Bonus versehen

Dass das Professorenkollegium rein männlich sei, bezeichnet Bernhardt als «misslich». Qualifizierte Schweizerinnen würden auch künftig mit einem Bonus versehen. Ausschlaggebend bleibe aber in jedem Fall die Qualifikation. Die Fakultät sei entgegen allen Behauptungen nicht in sich zerstritten und das Verfahren laufe völlig ordnungsgemäss ab.

Doch nicht nur das Geschlecht, auch die Herkunft und die Konfession der Kandidaten wurden kritisiert. Kundert sprach von einer «bundesrepublikanischen Fakultät auf Schweizer Boden», und die «BZ» schrieb, dass «die deutschen, lutheranisch geprägten Professoren den Ton angeben». Konfessionszugehörigkeit sei aber kein wissenschaftliches Kriterium und die Fakultät nicht konfessionsgebunden, erklärt Bernhardt. «Auch wenn wir uns der reformierten Tradition verpflichtet fühlen.» Die meisten deutschen Mitglieder der Fakultät, viele davon Frauen, seien zudem uniert, nicht lutherisch.