Krieg im Nahen Osten

«Ärzte ohne Grenzen»: Neue Verletzte trotz Waffenruhe in Gaza

In Gaza-Stadt behandelt Saja Abu Safeia Patienten, die inmitten anhaltender Gewalt schwer verletzt werden. Grosse Probleme bereitet der leitenden Krankenpflegerin der Mangel an Betäubungsmitteln.

Die Gesundheitsversorgung des Gaza-Streifens ist laut «Ärzte ohne Grenzen» katastrophal. In den Kliniken der Organisation würden jeden Tag schwerste Verbrennungen und Wunden behandelt, sagte Saja Abu Safeia, leitende Krankenpflegerin in der Gaza City-Klinik, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Es fehle jedoch an grundlegendem Material zur Wundversorgung sowie an Strom. «Wir können längst nicht alle Patienten behandeln», sagte sie. «Eine übliche Wundversorgung schaffen wir nicht. Wir können uns nur um die schweren Fälle kümmern.»

Täglich könnten 150 Patientinnen und Patienten versorgt werden. «Wir geben unser Bestes, aber uns fehlen Spezialisten und Personal», sagte Abu Safeia. Seit Januar 2026 lässt Israel keine internationalen Helfer von «Ärzte ohne Grenzen» mehr nach Gaza.

Wegen der schlechten hygienischen Bedingungen würden sich Wunden immer wieder infizieren, die Ausbreitung von ansteckenden Haut- und Atemwegserkrankungen sei kaum zu stoppen, erklärte Abu Safeia. Durch die massenhafte Vertreibung lebten die Menschen in notdürftigen Zelten, überall häufe sich Müll.

Kaum Narkosemittel verfügbar

Zudem fehle es an Narkose- und Betäubungsmitteln. Die Gaza City-Klinik sei die einzige Einrichtung, die im Norden des Gaza-Streifens Narkosen anbieten könne. Insbesondere bei der Behandlung von Kindern sei dies praktisch unverzichtbar, weil die Schmerzen für die Mädchen und Jungen ohne Betäubung unerträglich seien.

«Die sogenannte Waffenruhe hat nichts verändert», sagte Abu Safeia. Oft kämen Kinder mit tiefen Brandwunden oder abgetrennten Fingern, weil sie beim Spielen auf Sprengkörper stiessen.

Psychische Langzeitfolgen

Eltern hätten keine Möglichkeit, um ihre getöteten Kinder zu trauern. «Sie können nicht anders, als ums Überleben zu kämpfen und sich um die Kinder zu kümmern, die noch leben», sagte Abu Safeia. Die Langzeitfolgen seien nicht abzusehen.

Laut der Mitarbeiterin von «Ärzte ohne Grenzen» schränken die israelischen Behörden weiterhin Lebensmittellieferungen nach Gaza ein. Das wenige Essen, das komme, sei nicht nahrhaft. «Patienten mit schwersten Verletzungen und Krankheiten brauchen nahrhafte Lebensmittel, um eine Chance auf Heilung zu haben», erklärte Abu Safeia. (epd/ dst)

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