Andreas Borter ist gestorben
«Wir wollten einfach nicht mehr der bisherigen Zuschreibung von Männlichkeit entsprechen», erinnerte sich Andreas Borter in einem Interview mit dem bref Magazin an die Anfänge seiner Auseinandersetzung mit Männlichkeit, Gleichstellung und Erwachsenenbildung. Er war einer der ersten in der Schweiz, der Kurse zu Mannsein und Spiritualität anbot. Innerhalb der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn organisierte er Aktivitäten für Väter mit ihren Kindern.
Schon bald galt Borter als Pionier in der Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit und neue Männerbilder. 2005 war er einer der Gründungsmitglieder des Dachverbands Schweizerischer Männer- und Väterorganisationen männer.ch.
Im Blog der Organisation informieren Markus Theunert und Christoph Walser über den Tod ihres «herzensguten Weggefährten und Mentors». In ihrem Nachruf würdigen sie Borter als ambitioniert im Wirken, aufrührerisch im Denken und als prägende Figur in der Entwicklung von männer.ch.
Im Nachruf heisst es ausserdem, die Landeskirchen in der Schweiz hätten lange mit der Männer- und Vaterarbeit gefremdelt. Das habe Borter darin bestärkt, sich von Anfang an stark am Aufbau von männer.ch zu beteiligen. Dass es auch danach noch verschiedene Ansichten gab, wurde im Gespräch mit bref im Jahr 2017 deutlich.
«Die kirchliche Erwachsenenbildung, aber auch die Seelsorge ist zunehmend stark von Frauen und ihrem Kommunikationsverhalten geprägt», hiess es dort. Und weiter sagte Borter: «Das hat zur Folge, dass meist sehr schnell nach Wegen gesucht wird, um über sich persönlich zu reden, auch über das Innerste.» Männer spürten dadurch den Druck «um jeden Preis über ein Problem reden zu müssen». Dabei würden sie lieber erst einmal schweigen. Borter setzte sich deshalb mit einer Gruppe Männer nicht in einen Kreis zum Gespräch, sondern liess sie während des gemeinsamen Unterwegsseins sprechen. Diese Kommunikationsform nannte er «Walk und Talk».
Am 1. August 2024 ist Andreas Borter im Alter von 73 Jahren an einer Herzerkrankung gestorben.