Aargauer Landeskirche lanciert Ritual-Plattform
Der Markt für freie Ritualbegleiter boomt. Das ist auch der Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau nicht entgangen. Deshalb lanciert sie im Frühling 2022 eine Internet-Plattform, auf der sich reformierte Aargauer Pfarrerinnen und Pfarrer für solche Rituale anbieten können, wie «SRF» am 1. Dezember berichtete. «Verschiedene kirchliche Mitarbeitende fragten uns an, ob sie nicht auch freie Rituale abhalten könnten», sagt Frank Worbs, Leiter Kommunikation der Aargauer Landeskirche gegenüber «ref.ch». Das habe den Ausschlag gegeben, das Thema angehen zu wollen.
Auf der neuen Plattform könnten Pfarrerinnen und Pfarrer ein Profil erstellen und sich so möglichen Interessenten präsentieren. «Die Angebote werden zu marktüblichen Preisen vergütet», sagt Worbs. Für Mitglieder der Aargauer Landeskirche seien die Rituale kostenlos. Dies, weil der Kirchenrat die nicht gedeckten Kosten für Dienstleistungen für Aargauer Mitglieder vorläufig für zwei Jahre übernimmt. Alle anderen müssten den Preis selber bezahlen.
Die neue Plattform sei innerhalb der Kirche nicht unbestritten. «Manche fürchten, dass Mitglieder auf diesem Weg den Kontakt zum Ortspfarramt umgehen können, wenn sie diesen nicht wünschen», sagt Worbs. Doch die Landeskirche kontaktiere bei Kirchenmitgliedern und dem Wunsch nach Kasualien immer zuerst den Ortspfarrer oder eine Ortspfarrerin, bevor eine externe Pfarrerin etwa eine Trauung oder eine Taufe übernehme. «Ausser jemand sagt explizit, dass er den örtlichen Pfarrer nicht möchte», sagt Worbs.
Völlig frei sei man bei der Gestaltung der Rituale übrigens nicht. «Kern jedes Rituals ist der Segen Gottes», sagt Worbs. Wer darauf verzichten möchte, der müsse sich jemand anderes ausserhalb der Kirche suchen. Ausserdem würden keine Rituale durchgeführt, die im Kern der christlichen Weltanschauung widerspreche. «Also nichts mit Hexen, Voodoo oder Kobolden», sagt Worbs. (bat)