Zurich Film Festival

Trend-Thema Religion soll zu Diskussionen anregen

Religion spielt in unserer Gesellschaft noch immer eine wichtige Rolle. Davon ist Christian Jungen, künstlerischer Leiter des Zurich Film Festival, überzeugt. Deshalb widmet der Anlass dem Thema einen eigenen Hashtag und zeigt dazu acht ausgewählte Filme.

«Als ich Kind war, war die Religion etwas Selbstverständliches. Man wusste: Der ist katholisch und die ist reformiert. So wie man wusste, das ist ein Migros-Kind oder ein Coop-Kind», sagt Christian Jungen, künstlerischer Direktor des Zurich Film Festival (ZFF), auf Anfrage von ref.ch. Jetzt sei der Glaube plötzlich Privatsache geworden und ziemlich mit Scham behaftet. Und trotzdem spiele er eine grosse Rolle im Alltag der Menschen. Deshalb soll in diesem Jahr am ZFF unter #myreligion in den sozialen Netzwerken eine Diskussion über die Rolle der Religion in der Gesellschaft angeregt werden.

Religion habe sich als Thema geradezu aufgedrängt, meint Jungen. «In vielen Weltgegenden ist sie auf dem Vormarsch oder feiert ein Revival.» Er denke dabei etwa an die USA, wo der oberste Gerichtshof mit christlichen Konservativen besetzt ist, die das Recht auf Abtreibung aufgehoben haben. Jungen verweist auch auf den Ukraine-Krieg, den Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche rechtfertigen.

«Gleichzeitig leben wir in der Schweiz in einer zunehmend säkularen Gesellschaft, in der es immer mehr Ersatzreligionen gibt – wie etwa Yoga oder gesund Essen, was viele mit religiösem Eifer propagieren», sagt Jungen.

Zur Person

Christian Jungen ist Artistic Director sowie künstlerischer Leiter und als solcher gesamtverantwortlich für das Zurich Film Festival (ZFF). Der 49-jährige Jungen studierte in Zürich Sprach-, Literatur- und Filmwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er 2020 zum ZFF wechselte. Er ist reformiert aufgewachsen und ist nach seinem Studium in Italien zum Katholizismus übergetreten. (bat)

Vulkane und Tiktok sollen Publikum anziehen

Passend zum Schwerpunktthema präsentiere das Festival insgesamt acht Filme. Der Thriller «Boy From Heaven» etwa zeige, welch grossen Einfluss der politische Islam an den Schulen in Ägypten habe. Im Programm vertreten sei mit «Honk For Jesus. Save Your Soul» auch eine beissende Satire auf die evangelikalen Megafreikirchen und ihre Scheinheiligkeit, in der Regisseurin Adamma Ebo eigene Erfahrungen aus ihrer Baptistengemeinde verballhorne.

Ebenfalls im Programm seien Filme über Ersatzreligionen. Etwa der Dokumentarfilm «Fire Of Love», laut Jungen ein Anwärter auf einen Oscar. Hauptfiguren sind im Streifen zwei französische Forscher, die Vulkane anbeten. Jüngeres Publikum anziehen soll «Tiktok Boom» – ebenfalls eine Dokumentation. Dieser zeige, mit welchem Eifer Jugendliche Reels für die chinesische Social-Media-Plattform drehen, die vor allem bei Teenagern aktiv genutzt wird. «Uns ist wichtig, nicht Filme über Leute zu zeigen, die diese blossstellen, sondern Filme mit Leuten», sagt Jungen.

Kirchen verleihen Preis

Das ZFF hat auch eine Kooperation mit der reformierten und der katholischen Kirche des Kantons Zürich. Die Landeskirchen berufen jedes Jahr eine Jury ein, die am ZFF einen mit 10'000 Franken dotierten Filmpreis der Kirchen an einen Film aus dem Fokus-Wettbewerb vergibt. Dieser Beitrag muss sich mit christlichen Werten auseinandersetzen. Prämiert wird ein Film aus der Reihe «Fokus». Darin laufen 14 Spiel- und Dokumentarfilme aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Bei allen Filmen handelt es sich um erste, zweite oder dritte Regiearbeiten.