Corona-Gedenken

«Wir unterstützen die Initiative des Bundespräsidenten»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) empfiehlt ihren Mitgliedkirchen, am Freitagmittag die Glocken läuten zu lassen und so den Opfern der Corona-Pandemie zu gedenken. Von einer Trauerfeier sieht sie momentan allerdings ab, wie Präsidentin Rita Famos erklärt.

Am 5. März 2020 ist die erste Person in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben. Genau ein Jahr später will Bundespräsident Guy Parmelin um die Mittagszeit die Kirchenglocken läuten lassen, um den Opfern der Pandemie zu gedenken. Zudem ruft er die Bevölkerung zu einer Schweigeminute auf (ref.ch berichtete). Angekündigt hatte Parmelin die Initiative am vergangenen Sonntag in der Tagesschau der Romandie und kurz danach auf Twitter – und damit nur knapp sechs Tage vor dem geplanten Anlass.

Etwas überrumpelt war denn auch Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), wie sie gegenüber ref.ch sagt. Gleichzeitig habe die Frage, wie man ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie den Opfern gedenken könne, schon länger in der Luft gelegen. «Wir unterstützen deshalb die Initiative des Bundespräsidenten», sagt Famos. Dies gelte auch für die katholische sowie christkatholische Kirche, mit denen sie am Montag in Kontakt gestanden habe.

Konkret empfiehlt die EKS ihren Mitgliedkirchen, am Freitag, dem 5. März, die Trauerglocken läuten zu lassen. Die Kirchenleitungen sollen wiederum ihre Gemeinden entsprechend informieren. Für die Umsetzung von Parmelins Vorhaben wären diese Schritte zwar nicht zwingend notwendig: Auftraggeber für das Läuten der Kirchenglocken können neben den Kirchen selbst auch die politischen Gemeinden sein. Am 1. August beispielsweise erklingt von den Kirchtürmen ein sogenanntes bürgerliches Läuten. Praktisch allerdings sind es die kirchlichen Mitarbeiter, die das Geläut programmieren. «Die Glocken sind ein gutes Medium um die gesamte Bevölkerung, unabhängig von ihrer kirchlichen Bindung, zum Innehalten und zum Gebet einzuladen», fasst Famos zusammen.

Vorerst keine Trauerfeier

Neben der Unterstützung für die Initiative des Bundespräsidenten plant die EKS zudem mit anderen Partnern «ein weiteres Projekt der Anteilnahme und Solidarität», wie Famos sagt. Lanciert werden soll es voraussichtlich am Karsamstag, die Details sollen in den kommenden Tagen kommuniziert werden. Klar ist indes schon jetzt: Eine nationale Trauerfeier wird es von Seiten der EKS vorläufig nicht geben. Dies obwohl Rita Famos im Januar noch die entsprechende Absicht geäussert hatte.

«Leider müssen wir anerkennen, dass die momentane Lage eine grosse Feier immer noch nicht zulässt. Die Pandemie ist noch nicht überstanden und wir wissen nicht, wann wir uns wieder uneingeschränkt versammeln dürfen.» Eine Feier mit 50 Personen machen und davon beispielsweise ein Video ins Netz stellen, das habe die EKS nicht gewollt. «Darunter leidet das Gemeinschaftsgefühl, das gerade für einen Gedenkanlass so wichtig ist – das Gefühl zusammenzustehen und gemeinsam diese Krise zu bewältigen.»

Zürich wählt anderen Weg

Für die EKS sei das Thema daher erst einmal aufgeschoben, wenn auch nicht aufgehoben. Ähnlich hat bisher auch der Bundesrat argumentiert. Es sei nicht der richtige Moment für eine Trauerfeier, hatte Guy Parmelin am Sonntag dem Westschweizer Fernsehen RTS gesagt.

Einen anderen Weg schlagen dagegen die Religionsgemeinschaften im Kanton Zürich ein. Laut einer Medienmitteilung vom 1. März organisiert der dortige Interreligiöse Runde Tisch einen virtuellen Gedenkanlass, an dem Vertreter der christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinden sowie der Muslime und Buddhisten teilnehmen werden. Zudem sollen Religionsministerin Jacqueline Fehr sowie Stimmen aus der Bevölkerung zu hören sein.