Politik

Waadt will Homosexuelle vor «Umpolungstherapien» schützen

Der Waadtländer Grosse Rat will Praktiken verbieten, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität einer Drittperson zu ändern. Solche werden auch von Kirchen angeboten.

Das Waadtländer Kantonsparlament hat am Mittwoch einstimmig eine Motion angenommen, die sogenannte «Konversionstherapien» verbieten will. Diese Therapien sollen etwa Schwule oder Lesben von ihrer Homosexualität «heilen».

In mehreren Kantonen, wie zum Beispiel in Genf oder Basel, wurden bereits parlamentarische Motionen eingereicht oder an die Regierung überwiesen, um sogenannte Konversionstherapien zu untersagen. Der Text des sozialdemokratischen Abgeordneten Julien Eggenberger fordert den Staatsrat auf, einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorzuschlagen. Dafür hat die Regierung nun ein Jahr Zeit.

Die Sozialdirektorin Rebecca Ruiz (SP) begrüsste die Motion. Der Staatsrat werde mit Überzeugung an die Arbeit gehen, denn es bestehe ein echter Bedarf, diese Frage gesetzlich zu regeln, sagte sie.

Verschiedene Theorien gingen davon aus, dass Menschen mit verschiedenen affektiven und sexuellen Orientierungen oder variierenden Geschlechtsidentitäten moralisch, spirituell oder körperlich abartig und minderwertig seien und deshalb ihre Orientierung oder Identität ändern müssten, sagte Eggenberger.

Kurse zur «Wiederherstellung der Identität»

Er erinnerte daran, dass ein in den Kantonen Genf und Waadt praktizierender homöopathischer Arzt 2018 angeboten hatte, «Homosexualität zu heilen». Im Jahr 2020 bot ein Psychiater in Schwyz solche «Therapien» an. Sie würden auch in religiösen Kreisen praktiziert.

Ein Bericht des Uno-Menschenrechtsrats setzt «Konversionstherapien» mit Folter gleich und fordert ein Verbot. Der Bundesrat hatte sich seinerseits im September 2019 gegen eine gesetzliche Verankerung des Verbots von «Konversionstherapien» ausgesprochen, obwohl er diese Praktiken anprangerte.

Bewegung auf nationaler Ebene

Zwei parlamentarische Initiativen, welche die SP diesen Herbst in Bern eingereicht hatte, fordern jedoch, dass das Angebot, die Vermittlung und die Werbung für sogenannte Bekehrungsmethoden schweizweit verboten werden. (sda/mos)