Historische Sammlungen

200 Laufmeter Geschichte

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt hat der Universitätsbibliothek Basel zwei historisch bedeutsame Sammlungen geschenkt. Sie enthalten auch einige Kuriositäten.
Albrecht Dürers Porträt des Humanisten Erasmus von Rotterdam zählt zu den bekanntesten Stücken der Falkeisen-Sammlung. Der Fleck auf der Wange kam später hinzu. (Bild: Universitätsbibliothek Basel)

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt schenkt der Universitätsbibliothek Basel zwei historische Sammlungen. Das hat die Synode vergangene Woche beschlossen (ref.ch berichtete).

Die Sammlung Falkeisen und das Kirchenarchiv waren über 100 Jahre im Besitz der Kirche, bevor sie als Depositum an die Universitätsbibliothek Basel übergingen. Mit der nun erfolgten Schenkung soll sichergestellt werden, dass die Dokumente auch in Zukunft fachgerecht aufbewahrt und erschlossen werden. Denn der Erhalt und die Lagerung von historischen Manuskripten sind aufwendig und teuer.

Sammelwütiger Pfarrer

Zusammen bringen es die beiden Sammlungen auf mehr als 200 Laufmeter Geschichte: Dazu gehören Handschriften, Drucke, Grafiken, Porträts und Karten. Die Falkeisen-Sammlung geht auf den historisch interessierten Pfarrer Theodor Falkeisen-Bernoulli und seinen Sohn, Antistes Hieronymus Falkeisen, zurück. Gemeinsam trugen sie eine Sammlung zusammen, die vor allem der Basler und Schweizer Geschichte und Literatur gewidmet ist.

Das Kirchenarchiv wiederum bündelt die Überlieferung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Schon im 19. Jahrhundert gelangten wissenschaftliche Bestände daraus an die Universitätsbibliothek. Besonders wertvoll sind die Korrespondenzen bedeutender Humanisten.

Boshafte Karikaturen

Vater und Sohn Falkeisen sammelten beinahe alles, was ihnen in die Hände fiel: Flugblätter, Reisebeschreibungen oder Darstellungen von Trachten und Militäruniformen. Zu den Prunkstücken der Sammlung zählen unter anderem ein berühmter Kupferstich des Humanisten Erasmus von Rotterdam, angefertigt von Albrecht Dürer, oder die Ausgabe eines Theaterstücks von Heinrich Bullinger.

Danben findet sich auch manch Kurioses. Dazu gehören die Karikaturen des Basler Kunstmalers Franz Feyerabend. Mit boshaftem Strich legte Feyerabend die kleinen Schwächen der Basler Prominenz offen und veröffentlichte die Zeichnungen auf Flugblättern. Zur Zielscheibe wurden etwa der im 18. Jahrhundert bekannte Mediziner Jakob Christoph Ramspeck oder der Pfarrer Carl Ulisses Wolleb, den Feyerabend mit hervorstehendem Bauch und ausgeprägtem Doppelkinn porträtierte.

Ausserdem beherbergt das Kirchenarchiv eine sehr bedeutende Brief-Sammlung berühmter Humanisten wie Matthias Erb, Wolfgang Fabricius Capito oder Bonifacius Amerbach. Zu einem grossen Teil sind die Sammlungen der Universtätsbibliothek bereits digitalisiert und können auf der Webseite swisscollections angeschaut werden.

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