Synode Basel-Stadt
Reformierte mobilisieren gegen Einsamkeit im Alter
Das Wichtigste in Kürze
1. Warum rückt die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt das Thema Alterseinsamkeit in den Fokus?
Die ERK Basel-Stadt reagiert auf die zunehmende soziale Isolation älterer Menschen, wie sie unter anderem der Altersmonitor von Pro Senectute Schweiz bestätigt. Mit einem Pilotprojekt sollen schwer erreichbare Seniorinnen und Senioren wieder stärker ins kirchliche und soziale Netz eingebunden werden.
2. Welche Massnahmen plant die Kirche konkret gegen Einsamkeit im Alter?
In Basel West wird der Besuchsdienst neu aufgestellt, während die Église Française Basel ihre Strukturen ausbauen möchte. In Riehen setzt das Gemeinschaftshaus Moosrain auf ein offenes Tagesstrukturangebot mit niederschwelligen Gruppenaktivitäten, um soziale Kontakte zu fördern.
3. Welche weiteren Beschlüsse hat die Synode Basel-Stadt gefasst?
Die Synode genehmigte das Budget 2026. Zudem überlässt die ERK BS der Universitätsbibliothek Basel das Kirchenarchiv und die wertvolle Sammlung Falkeisen, damit die historischen Dokumente fachgerecht erhalten und besser erschlossen werden können.
Alterseinsamkeit schadet der Gesundheit. Betroffen sind viele Menschen: Rund ein Viertel der über 65-Jährigen fühlt sich zumindest zeitweise einsam, das besagt der Altersmonitor von Pro Senectute Schweiz. Je älter die Menschen werden, desto seltener werden die sozialen Kontakte. Freunde und Bekannte sterben, die Menschen werden eher zuhause als in Institutionen gepflegt.
Der Grundsatz «ambulant vor stationär» erhöhe die Gefahr von sozialer Isolation, schreibt der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK BS) in den Unterlagen zu einem Pilotprojekt. Unter dem Titel «Kirchliche Altersarbeit gegen Alterseinsamkeit» will die ERK BS aktiv werden. Die Initiativen sollen zeigen, wie ältere Menschen erreicht werden können, die kaum noch am Gemeindeleben teilnehmen. Diese Gruppe wachse stark, heisst es in den Unterlagen. Die Synode hat am Mittwoch dafür 84'000 Franken bewilligt. Das Geld fliesst in drei Unterprojekte.
Basel West: Besuchsdienst neu denken
In der Kirchgemeinde Basel West mit 500 Mitgliedern ist die Zahl der Freiwilligen im Besuchsdienst stark geschrumpft: Von neun Personen im Jahr 2023 auf vier (2024). Ausserdem sei es nicht einfach, Menschen zu finden, die sich den Kontakt mit jemandem vom Besuchsdienst wünschen würden, heisst es im Antrag. Im Rahmen des Projekts wird erhoben, wie gross der Bedarf nach Begleitung tatsächlich ist – und wie viele Menschen bereit wären, Besuche zu übernehmen. Dafür sind eine breit angelegte Bedarfsanalyse, professionelle Unterstützung im Aufbau neuer Besuchspaare sowie Schulungen geplant.
Église Française: kleiner, aber ebenfalls betroffen
Auch die evangelisch-reformierte Église Française Basel will ihren Besuchsdienst ausbauen. Es ist eine kleine Gemeinschaft mit rund 250 Haushalten, der Finanzbedarf fällt niedriger aus. Aber das Konzept ist ähnlich: Bedarf klären, Freiwillige gewinnen, Strukturen stärken.
Riehen: Begegnungsort statt Rückzug
Das Gemeinschaftshaus Moosrain in Riehen plant ein offenes Tagesstrukturangebot, das sich an Menschen richtet, die vereinsamen oder sich scheuen institutionelle Angebote zu nutzen. Unter Anleitung sollen in kleinen Gruppen niederschwellige Aktivitäten stattfinden. Dieser Ansatz soll gezielt soziale Kontakte fördern.
Worüber hat die Synode noch entschieden?
Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt hat das Budget 2026 genehmigt. Trotz weiterhin sinkender Mitgliederzahlen sieht es gemäss den Unterlagen einen Ertrag von knapp 92’000 Franken vor. Möglich machen dies laut einer Mitteilung ein «straffes Kostenmanagement» sowie ausserordentlich gute Steuererträge.
Weiter schenkt die ERK BS der Universitätsbibliothek Basel historische Unterlagen. Zum einen handelt es sich um das Kirchenarchiv und zum anderen um die Sammlung Falkeisen. Diese beinhaltet Handschriften, Drucke und Grafiken von hohem Wert. Beide Dokumentensammlungen befinden sich bereits seit Jahren in der Bibliothek. Bis anhin gehörten sie noch der ERK BS. Doch diese könnte die empfindlichen Unterlagen nicht fachgerecht aufbewahren. Auch erleichtert die Schenkung die Auswertung und Erschliessung der Unterlagen.