Ulm

Gedenkstätte für Weisse Rose an Martin-Luther-Kirche geplant

In Ulm entsteht ein Lernort zum Widerstand der Weissen Rose. Eine elf Meter hohe Orgelskulptur soll das Zentrum der Anlage bilden.

In Ulm entsteht eine zentrale Gedenkstätte für die NS-Widerstandsgruppe Weisse Rose. Einstimmig befürwortete der Gemeinderat den «Lernort» an der evangelischen Martin-Luther-Kirche.

In deren Orgelkammer hatten Freunde und Unterstützer der Geschwister Scholl in einer konspirativen Aktion 1943 das fünfte Flugblatt der «Weißen Rose» gegen das NS-Regime versandfertig gemacht.

Mit dem Lernort soll laut Ausschreibung für den Gestaltungswettbewerb ein «Ort von besonderer Anziehungskraft und Sichtbarkeit» entstehen, der Menschen aller Altersklassen anspricht. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema soll zur Erinnerung und zur Wissensvermittlung beitragen: Zur Zielgruppe gehören vor allem Schulklassen, aber auch Passantinnen und Touristen.

Eine Jury wählte aus 59 Bewerbungen ein Siegerprojekt aus, das eine freistehende, rund elf Meter hohe Orgelskulptur direkt an der Vorderseite der Kirche vorsieht. Innerhalb der Fassade aus rund 600 Rohrelementen in Form von Orgelpfeifen befindet sich ein Raum, der bis zu 30 Besuchern Platz bietet, mit medialen Installationen zum Widerstand der Weissen Rose.

Diese Konzeption nehme die Enge und Abgeschiedenheit der Orgelkammer auf und stelle gleichzeitig überzeugend öffentlich dar, was damals ganz im Geheimen geschehen musste, sagte der Ulmer Dekan dem Evangelischen Pressedienst. Die «klare Botschaft» der Weissen Rose hob der Ulmer Oberbürgermeister hervor: «Sie appellierten daran, nicht wegzusehen, sondern sich aktiv für Demokratie, Frieden und Freiheit einzusetzen und Zivilcourage zu zeigen.» Das Vermächtnis von Hans und Sophie Scholl und der Weissen Rose sei deshalb heute eine Verpflichtung, sagte der Oberbürgermeister dem epd.

Die geplanten Kosten für das Projekt belaufen sich den Angaben zufolge bisher auf rund 1,3 Millionen Euro. Aus Bundesmitteln sollen 1,5 Millionen für den Lernort zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeiten für den neuen Lernort sollen 2027 abgeschlossen sein. (epd/ gab)

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