Rita Famos appelliert an russischen Patriarchen

Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, hat sich an einer Friedenskundgebung in Bern solidarisch gezeigt mit den ukrainischen Flüchtlingen. Diese gelte es willkommen zu heissen und zu unterstützen.

Mit weiteren Vertretern des Schweizerischen Rates der Religionen ist EKS-Präsidentin Rita Famos in Bern für den Frieden auf die Strasse gegangen. (Bild: Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS)

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in Bern Kälte und Schneefall getrotzt und für Frieden in der Ukraine demonstriert. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), richtete einen Appell an Kyrill, den Patriarchen von Moskau und Oberhaupt der russisch-orthodoxen-Kirche. Dieser hat sich bisher stets hinter die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin gestellt.

«Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und zeigen Sie Ihrem Präsidenten auf, dass es keine christliche Legitimation gibt für diesen Krieg», sagte Famos in einer Rede auf dem Bundesplatz am 2. April. Noch sei kein Friede auf Erden. «Aber wir verlieren die Hoffnung nicht. Wir geben nicht auf. Wir wirken, wo wir können, für Frieden und Gerechtigkeit», betonte Famos.

Das bedeute auch, die Flüchtenden zu unterstützen. «Wir tun unser Bestes, Sie willkommen zu heissen und Sie die nötige Unterstützung erfahren zu lassen. Wir beten für jene, die zurückgeblieben sind. Zusammen wollen wir in Frieden leben», richtete Famos in Englisch das Wort direkt an die Betroffenen.

Famos trat im Namen des Schweizerischen Rates der Religionen auf, zu dem auch Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz, der Christkatholischen Kirche Schweiz, der Schweizerischen Evangelischen Allianz, des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes sowie Islamischer Organisationen der Schweiz gehören.

Gas- und Ölstopp gefordert

Neben Famos sprachen auf dem Bundesplatz auch zwei Vertreterinnen der russischen Opposition. Katja Glikmann, Journalistin der russischen Oppositionszeitung «Nowaja Gaseta», sagte, die 2006 getötete, kremlkritische russische Journalistin Anna Politkowskaja habe schon vor Jahren vor Putin gewarnt. Doch der Westen habe nicht zugehört. Ihm seien die Handelsbeziehungen zu Russland wichtiger gewesen.

Für einen Stopp von Gas- und Ölkäufen aus Russland sprach sich Hanna Perekhoda aus, Vertreterin eines Unterstützungskomitees für das ukrainische Volk in der Waadt und in Genf. Alexandra Karle, Geschäftsleiterin von Amnesty International Schweiz, sagte, auch andere Flüchtlinge als ukrainische hätten «Anspruch auf unser Mitgefühl und unsere Menschlichkeit».

Alt-Bundesrätin mit marschiert

Zur Kundgebung aufgerufen hatten mehrere Parteien von links bis rechts. Die Demonstration war bewilligt, die Organisatoren sprachen von 10'000 Teilnehmerinnen. Der Platzkundgebung voraus ging ein Marsch durch die Berner Innenstadt.

Neben den kirchlichen Vertreterinnen marschierten Politiker mit wie Andri Silberschmidt, Vizepräsident der FDP Schweiz, oder Balthasar Glättli, Präsident der Grünen. Auch alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss nahm an der Demonstration teil. Zahlreiche Menschen trugen Friedensfahnen und ukrainische Flaggen. Am Ende der Kundgebung gab es eine Schweigeminute.

Schweiz soll aktive Rolle einnehmen

Zentrales Anliegen der Kundgebung war laut den Veranstaltern, dass sich die Schweiz aktiv einsetzen soll für einen sofortigen Waffenstillstand und den vollständigen Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine. Auch brauche es eine internationale Untersuchung der begangenen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen.

In Bern fanden in den letzten Wochen mehrere Friedenskundgebungen statt. Die grösste war Ende Februar, als 20'000 Personen auf die Strasse gingen. Eine derart grosse Beteiligung an einer Friedensdemo gab es letztmals vor gut zwanzig Jahren während des Irak-Krieges. (sda/ jow)