Kein Christ, kein Asyl? Eine Debatte in Bern

Letzten Samstag wurde in Bern über das Thema «Eine frohe Bo(o)tschaft? Die Flüchtlinge, die Schweiz und die Christen» diskutiert. Über die Flüchtlingskrise debattierten eine EVP-Nationalrätin, ein SVP-Nationalrat und ein syrischer Flüchtling.

Podiumsdiskussion über Migration von Christen.
Podiumsdiskussion über Migration von Christen. (Bild: Christnet)

Die Veranstalter «ChristNet» setzen sich für Soziales, Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Entwicklung ein. Es sei an der Veranstaltung umstritten gewesen, ob Christen in der Schweiz bevorzugt aufgenommen werden sollen. Einigkeit herrschte darüber, dass die humanitäre Hilfe im Nahen Osten verstärkt und bürokratische Hürden für arbeitswillige Flüchtlinge reduziert werden sollen.

Im theologischen Einstieg habe Daniel Frei vom Basler Pfarramt für «Weltweite Kirche» zunächst aufgezeigt, dass Gastfreundschaft für Flüchtlinge ein wiederkehrender Appell des Alten Testaments ist. Auch für Jesus sei die Erfahrung der konstanten Heimatlosigkeit zentral gewesen. Weiterhin verwies Frei auf die Fluchtgeschichte im Buch Ruth. Dort werde ein «Integrationsprogramm» in Kurzform formuliert, das auf Bräuche und Gepflogenheiten im Gastland Rücksicht nehme.

Bedrohung an Leib und Leben

Weiter heisst es, dass Freis Ausführungen den Bogen zur Podiumsdiskussion schlugen, an der mit Feras Shamas aus Syrien auch ein Flüchtling teilnahm. Der Sportlehrer sei vor einem Jahr in die Schweiz geflohen, nachdem die Lage in seiner Heimatstadt Aleppo immer schwieriger geworden war. Shamas, ein reformierter Christ, habe sich seitdem ausgesprochen integrationswillig gezeigt: «Ich will der Schweiz dienen», sagte er.

Erich von Siebenthal, Nationalrat der SVP, sehe in Shamas einen jener christlichen Flüchtlinge, denen er, wie er in einem Postulat an den Bundesrat gefordert, prioritäre Behandlung zukommen lassen will. «Es ist ein Fakt, dass sich Christen besser integrieren lassen», so von Siebenthal. Ausserdem meinte der Politiker nach Angaben vom «ChristNetForum», der Zugang zu den Flüchtlingslagern im Nahen Osten sei für Christen erschwert.

Auf die auch unter vielen evangelischen Christen populäre Forderung habe Maja Ingold, Nationalrätin der Evangelischen Volkspartei (EVP), mit Erfahrungen einer Reise in den Libanon reagiert. Sie sagte, dass Christen darum nicht in die grossen Lager kämen, weil sie materiell oft besser gestellt seien als Muslime. Eine Ungleichbehandlung bei der Aufnahme in der Schweiz unterstütze Ingold nicht: «Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich zu behandeln, ungeachtet von Geschlecht, Rasse und Religion. Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind und nach Europa kommen, die müssen wir aufnehmen.»