Thurgauer Landeskirchen verstärken Einfluss auf Asylbetreuung

Die Thurgauer Peregrina-Stiftung, die im Auftrag des Kantons Asyl-Unterkünfte führt, wird umstrukturiert. Die beiden Landeskirchen stellen vier von fünf Stiftungsräten – und hoffen nun näher ans operative Geschäft zu rücken.


Die Peregrina-Stiftung wurde 1986 vom Thurgauer Regierungsrat sowie der katholischen und der evangelischen Landeskirche gegründet und betreibt im Auftrag des Kantons verschiedene Asylunterkünfte. Nun wird die Organisation umgebaut, wie aus einer aktuellen Mitteilung hervorgeht.

Demnach ist die Verwaltungskommission, die bisher zwischen dem Stiftungsrat und der Geschäftsleitung stand, per Ende Mai aufgelöst worden. Weil dadurch neue Aufgaben auf das Stiftungsratspräsidium zukommen, wird dieses zudem mit einem kleinen Stellenpensum ausgestattet. Mit diesen Schritten wollen die Kirchenleitungen «bewusst direkteren Einfluss nehmen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Auf Nachfrage von ref.ch erklärt Wilfried Bührer, Kirchenratspräsident der evangelischen Landeskirche, dass der Stiftungsrat bis anhin zwar für die strategische Ebene zuständig gewesen sei und damit auch die Verantwortung getragen habe; die Aufsicht über die Stiftung habe aber die Kommission gehabt. Auch seien die Kirchen durch diesen Aufbau sehr weit weg vom operativen Geschäft gewesen. «So konnten wir unseren Anliegen nicht immer rechtzeitig Gehör verschaffen», sagt Bührer. Als Beispiel nennt er Änderungen bei den Betreuungszeiten oder den Betreuungsstandards, wo die Kirchen aufgrund ihrer Tradition «besondere Massstäbe» hätten.

Kritische Fragen an der Synode

Die jetzt eingeleiteten Schritte stehen auch im Zusammenhang mit einer Diskussion, welche die Synode der evangelischen Landeskirche im vergangenen Herbst geführt hat. In einer Interpellation warf der Synodale Hans Peter Niederhäuser damals kritische Fragen zum Umgang des Kantons Thurgau mit Asylsuchenden und auch zur Rolle der Peregrina-Stiftung auf. So sprach er unter anderem von einer Doppelrolle: Die Stiftung sei einerseits Unterstützende der Asylsuchenden und andererseits Teil eines Systems, das in gewissen Aspekten gar menschenunwürdig sei.

Der Kirchenrat teilte die Einschätzung Niederhäusers zwar nicht. Er hielt aber fest, dass «die beiden Landeskirchen entscheiden müssen, entweder sich vermehrt in der Stiftung auf allen Ebenen zu engagieren oder diese Art von Zusammenarbeit mit dem Staat zu beenden.» Nun habe man den ersten Weg eingeschlagen, so Wilfried Bührer. (vbu)