«Gleichstellung ist noch nicht erreicht – auch nicht in der reformierten Kirche»

Die Evangelischen Frauen rufen zum zweiten Schweizer Frauenstreik am 14. Juni auf. Die Gleichstellung lasse auch in den Kirchen noch zu wünschen übrig, begründen sie ihr Engagement.

Streikende Frauen in Zürich; am 14. Juni 1991 forderten sie unter anderem gleichen Lohn für gleiche Arbeit. (Bild: Keystone)

Der erste Frauenstreik der Schweiz war ein Paukenschlag: Bis zu einer halben Million Frauen sollen laut Schätzungen am 14. Juni 1991 die Arbeit niedergelegt haben und für Gleichberechtigung auf die Strasse gegangen sein. Es war die grösste derartige Aktion seit dem Generalstreik 1918 und trug unter anderem zur Schaffung des Gleichstellungsgesetzes bei.

28 Jahre später soll es nun zu einer Neuauflage kommen: Gewerkschaften und Frauenorganisationen rufen für den 14. Juni erneut zum Streik auf.

Mit dabei sind auch die Evangelischen Frauen Schweiz (EFS) sowie der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF). Geht es nach den beiden Organisationen, sollen Kirchenfrauen am Freitag der Arbeit fern bleiben sowie den Protest darüber hinaus aufs Wochenende ausdehnen. So soll beispielsweise in den Gottesdiensten am Sonntag eine Widerstandserklärung verlesen werden.

Gleichberechtigt nur auf dem Papier

«Wir fordern Gleichberechtigung: Gemeinsames Tun, Entscheiden, Gestalten von Frauen* und Männern* auf allen kirchlichen Ebenen. Punkt. Amen», heisst es in einer von EFS und SKF gemeinsam versandten Mitteilung.

Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen, sagt auf Anfrage von ref.ch: «Gleichstellung ist noch nicht erreicht – auch nicht in der reformierten Kirche.» Auf dem Papier seien die Geschlechter zwar gleichberechtigt, gerade in den kirchlichen Leitungsgremien sässen aber noch immer sehr viel mehr Männer als Frauen. Das liege vor allem an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie an traditionellen Rollenbildern.

Mehr unbezahlte oder schlecht bezahlte Arbeit

Frauen würden zudem sehr viel mehr Freiwilligenarbeit leisten; dies müsse von den Kirchen besser wertgeschätzt werden, fordert Forster. Auch weist sie auf die soziale Sicherheit hin, etwa wenn Katechetinnen in kleinen Pensen arbeiteten und deswegen bei der Altersvorsorge in Bedrängnis gerieten. «Es braucht immer wieder einen Aufstand wie den Frauenstreik, um auf diese Punkte hinzuweisen», begründet Forster den Aufruf der EFS.

Bereits existiert ein Logo, mit dem sich streikende Kirchenfrauen sichtbar machen können. Der «PinkePunkt» mit dem Slogan «Gleichberechtigung. Punkt. Amen.» könne auf Schilder gedruckt oder auf der Kleidung getragen werden, heisst es in der Mitteilung. Auf der Website des Katholischen Frauenbundes werden zudem weitere Aktionen, Texte und Ideen zum 14. Juni gesammelt.