Sehr wichtig sind Hanni Lindt-Looslis Verdienste um das Frauenpfarramt in der Berner Kantonalkirche. Zwar gehört sie bereits zur dritten Theologinnengeneration, doch Gleichstellung gab es nach Abschluss ihres Theologiestudiums noch nicht.
So erhielt sie 1951 mit Handschlag einen Segensspruch, während die Männer kniend mit Handauflegung konsekriert wurden. Nach der Heirat mit dem Arzt Martin Lindt widmete sie sich der Erziehung der sechs Kinder, arbeitete in der Praxis mit, übernahm gelegentlich Predigtvertretungen und engagierte sich in der kirchlichen Frauenarbeit.
Legendäre Motion
Als Mitglied der Kirchensynode reichte sie 1961 jene Motion ein, die 1965 zur Änderung im Kirchengesetz führte: Frauen waren nun auf Pfarrstellen wählbar. Damit nicht genug: Bereits im verdienten Ruhestand hat sie in akribischer Archivarbeit die verstreuten Quellen gesichtet und die wissenschaftliche Arbeit «Von der ‹Hülfsarbeiterin› zur Pfarrerin» verfasst. Es ist hierzulande bis heute das einzige Buch zu diesem Thema geblieben.
Hanni Lindt-Loosli gehört zu einer Theologinnengeneration, deren Identität wesentlich von Bibel und Exegese bestimmt wurden. Bis heute nimmt sie an einem solchen Lektürekreis teil. Die Freude am Evangelium trägt sie, lässt sie Widersprüche gelassen ertragen, schenkt ihr aber auch die Offenheit für Neues. Bei guter Gesundheit und in geistiger Frische kann sie ihr hohes Wiegenfest begehen. Da darf neben den herzlichen Glück- und Segenswünschen auch ein grosses Dankeschön nicht fehlen.