Politik
Theologen rufen zur Verteidigung der Demokratie auf
In einem Beitrag im Blog der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) schlagen mehrere reformierte Theologinnen und Theologen Alarm. «Wir sind besorgt über Enthemmung, Verrohung und Verluderung des Zusammenlebens», heisst es in dem Schreiben, in dem ein zunehmender Zerfall der demokratischen Kultur zugunsten autoritärer Entwicklungen beklagt wird.
Eine enthemmte Kommunikation in den sozialen Medien und das rücksichtslose Diktat Einzelner würden das Zusammenleben von Menschen und Nationen immer mehr gefährden. «Marktbeherrschende Konzerne manipulieren um des Profits willen das, was sie selbst als soziale Netzwerke anpreisen, und sie scharen sich bereitwillig um tyrannische Autokraten», heisst es.
In ihrem Schreiben erinnern die Unterzeichnenden an den Beitrag der reformierten Tradition zu einer «regelbasierten Kommunikation und Politik weltweit». Kirchliche Institutionen seien angehalten, dieses Erbe zu verteidigen und «der Verluderung unserer kommunikativen und politischen Kultur entgegenzutreten».
Autokratischen Tendenzen müssten die Kirchen auf allen Ebenen ein klares «Nein» entgegenhalten. So dürfe nicht zugelassen werden, dass Autokraten die Religion instrumentalisierten, um ihre Stellung als «gottgewollt» darzustellen. Ebenso müssten die Kirchen Widerspruch einlegen, wenn Autokraten «Bildung, Netzwerke und Diplomatie» abbauten oder Herrschaftskritik durch Zensur eingeschränkt werde.
Initiiert wurde das Schreiben mit dem Titel «Aufruf zur Verteidigung demokratischer Kultur» von dem ehemaligen Leiter der Abteilung Bildung in der reformierten Zürcher Landeskirche, Matthias Krieg, dem Zürcher Synodalen Giorgio Vittorio Girardet, und der Zürcher Pfarrerin Catherine McMillan. Zu den Erstunterzeichnenden gehören zahlreiche prominente Theologinnen und Theologen, darunter der neue Grossmünster-Pfarrer Christian Walti, die Pfarrerin an der Stadtkirche St. Peter, Cornelia Camichel Bromeis und der Berner Theologe Matthias Zeindler. (no)