Schaffhausen

Kirchgemeinde wehrt sich gegen Sexgewerbe

In Thayngen SH hat gegenüber der reformierten Kirche ein Salon für erotische Massagen eröffnet. Die Kirchgemeinde hat eine Einwendung gegen ein Baugesuch eingelegt. Rund 850 Personen haben eine Petition unterzeichnet.

Thayngen hat schon ein Bordell. Es heisst «Leguan» und steht im Niemandsland zwischen Tankstellen und der Grenze zu Deutschland. Doch heimlich hat sich in der Kernzone des Dorfes, vis-à-vis der reformierten Kirche und in der Nähe der Kita, das «Secret Atelier» eingenistet. Hier bieten Frauen sexuelle Dienstleistungen an.

«Secret Atelier» ist eine Firma, die Filialen in der ganzen Deutschschweiz, von Landquart bis Basel, von Thun bis St. Margrethen unterhält. Auf der dazugehörenden Website heisst es, die Ateliers seien keine Bordelle. Man biete Räumlichkeiten an, die selbstständige Sexarbeiterinnen mieten könnten.

Petition gegen Massagesalon

In Thayngen sind das höchstens Spitzfindigkeiten im öffentlichen Diskurs. Das Dorf mit rund 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern wehrt sich gegen das Etablissement, wie die «Schaffhauser AZ» als erstes berichtete. Nachdem Ende Februar ein Baugesuch für die Umnutzung eines Wohnhauses im Dorfzentrum veröffentlicht wurde, formierte sich die «IG Rotlicht». Denn es geht um eine «Nutzungsänderung von Wohnen zu Gewerbe (Massagen, Sexgewerbe)».

Eine von der Interessensgemeinschaft initiierte Petition – «Kein Sexgewerbe im Wohngebiet von Thayngen» – erzielte 842 Unterschriften und wurde dem Gemeinderat übergeben. Darin äussert die IG ihre Sorge, dass ein solcher Betrieb unter anderem zu einer Veränderung des Quartiercharakters führen könnte. Der Gemeinderat solle sich für den Schutz der Wohnqualität, die Sicherheit und das soziale Gefüge Thayngens einsetzen.

Kirche hat Einwände

Der Kirchenstand der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Thayngen-Opfertshofen reichte eine Einwendung gegen das Baugesuch bei der Gemeinde ein. Er begründete diese unter anderem damit, dass die Gemeinde «keine Hand zur Ausbeutung von Frauen im Sexgewerbe» bieten dürfe.

Ausserdem führe der Massagesalon bereits zu mehr Autoverkehr und Freier würden ihre Fahrzeuge auf privatem Grund und im Parkverbot beim Kirchplatz abstellen. Ebenso bemängelt der Kirchenstand, dass das «Secret Atelier» bereits vor Einreichen des Baugesuchs eingerichtet und betrieben wurde.

Auf Anfrage von ref.ch sagte Kirchenstands-Präsidentin Astrid Abderhalden, der Kirchenstand habe sich für eine Einwendung bei der Einwohnergemeinde entschieden, «da die Kirche in unmittelbarer Nähe steht».

Die Pfarrerin der Gemeinde war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. Gegenüber der «NZZ» sagte sie, dass sie die Empörung der Bevölkerung «als Ausdruck innerer Erschütterung» verstehe. Ein Bordell, das ein «Bild zerbrochenen Lebens» sei, stehe so nahe zur Kirche, «die als Ort der Gegenwart Gottes geglaubt wird».

Am Ende entscheidet der Kanton

Der Leiter des kommunalen Hochbauamts sagte der «Schaffhauser AZ», das Gebäude stehe in einer Mischzone, in der Wohnen und Gewerbe möglich sind. Gewerbliche Nutzungen seien zulässig, wenn sie «nicht oder nur mässig störend» seien.

Am Montag ist die Frist für Einwendungen gegen das Baugesuch abgelaufen. Anschliessend entscheidet der Gemeinderat darüber, welchen Antrag er beim Kanton stellt: Bewilligung oder Ablehnung des Gesuchs. Denn über dieses Baugesuch entscheidet der Kanton.

Und wie reagiert der Kirchenstand, bei einem positiven Entscheid? Präsidentin Abderhalden sagt: «Ob der Kirchenstand nach einer Bewilligung einen Rekurs einreicht, muss zuerst besprochen werden.»

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