Demokratie

Studie: So viele Autokratien weltweit wie noch nie

Die Demokratie gerät weltweit weiter unter Druck. Einer aktuellen Studie zufolge legt die Zahl der autokratisch regierten Staaten zu.

Vor 20 Jahren waren die Demokratien noch in der Mehrheit. Heute werden 77 von 137 untersuchten Staaten autokratisch regiert, erklärte die Bertelsmann bei der Veröffentlichung des Transformationsindex 2026. 52 der 77 Autokratien sind laut der Studie «harte Autokratien, in denen Grundrechte vollständig missachtet werden». Das seien so viele wie noch nie seit dem Beginn der Erhebung 2006, hiess es.

Autokratische Tendenzen setzten sich jedoch auch in zahlreichen Demokratien durch, erklärte die Stiftung weiter. Viele gewählte Regierungen hätten demokratische Kerninstitutionen ausgehöhlt, um sich an der Macht zu halten. Beschleunigt werde die Erosion von Demokratie durch multiple Krisen sowie durch einen wachsenden internationalen Einfluss autokratischer Akteure.

Am deutlichsten seien die Rückschritte bei Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, hiess es. Der Raum für offenen Diskurs sei so eingeschränkt wie noch nie seit Beginn der Erhebung 2006. In vielen Staaten nimmt der Studie zufolge die politische Machtkonzentration zu. Unabhängige Institutionen, die Regierungen kontrollieren und zur Rechenschaft ziehen sollen, würden abgeschafft oder mit Gefolgsleuten besetzt. Zudem würden Parlamente umgangen und die Justiz behindert.

In zwei Dritteln der untersuchten Autokratien seien Armut und Ungleichheit stark ausgeprägt, hiess es. Anhaltende soziale Missstände, mangelnde staatliche Dienstleistungen und ausbeuterische Wirtschaftsstrukturen seien Gründe dafür, dass auch in autoritär regierten Staaten die Proteste unzufriedener Bürgerinnen und Bürger nicht abreissen würden. Die einst grosse Beliebtheit von Populisten wie dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dem türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schwinde.

Der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (BTI) analysiert seit 2006 alle zwei Jahre die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und Regierungsführung in 137 Entwicklungs- und Transformationsländern. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich den Angaben zufolge vom 1. Februar 2023 bis zum 31. Januar 2025. (epd/ dst)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema