5 Jahre «Ehe für alle»

So ging es mit der «Ehe für alle» weiter

Vor fünf Jahren hat das Schweizer Stimmvolk Ja zur «Ehe für alle» gesagt. Wie viele Paare haben inzwischen geheiratet? Und wie sieht es mit den kirchlichen Trauungen aus? Die wichtigsten Zahlen und Fakten.

Anfänglicher Boom liess rasch nach

Am Morgen des 1. Juli 2022 war der Andrang auf dem Standesamt der Stadt Zürich gross: Insgesamt 26 gleichgeschlechtliche Paare wurden allein an diesem Tag getraut. Auch in anderen Städten waren die Termine lange im Vorfeld ausgebucht. Schätzungen zufolge schlossen am Tag der Einführung der «Ehe für alle» schweizweit 100 bis 150 gleichgeschlechtliche Paare den Bund fürs Leben.

Der Grossteil davon lebte bereits in einer eingetragenen Partnerschaft und liess diese in eine Ehe umwandeln. Mit dem Inkrafttreten der «Ehe für alle» wurde dieses Modell für gleichgeschlechtliche Paare zum Auslaufmodell: Neue Partnerschaften konnten künftig nicht mehr eingetragen, bestehende aber noch weitergeführt werden.

Der anfängliche Boom liess allerdings rasch nach: Im ersten Jahr waren es 949 neue gleichgeschlechtliche Eheschliessungen und 799 Umwandlungen von eingetragenen Partnerschaften – insgesamt entstanden also rund 1750 neue Ehen. In den Jahren darauf pendelte sich diese Zahl bei rund 1000 ein.

Kirchliche Trauungen kaum nachgefragt

Die neuen Zahlen des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) bestätigen den Trend: In den reformierten Kirchen werden immer weniger Paare getraut. Waren es im Jahr 2015 schweizweit noch knapp 3800 Paare, sind es zehn Jahre später nur noch rund 1300.

Daran änderte auch die Einführung der «Ehe für alle» nichts. In der Zürcher Landeskirche liessen sich seit ihrer Einführung lediglich 13 gleichgeschlechtliche Paare trauen – im vergangenen Jahr war es gar nur ein einziges Paar. Auch in der Aargauer Kirche hatten gleichgeschlechtliche Trauungen Seltenheitswert: Zwischen 2022 und 2024 heirateten dort gerade einmal drei Paare, wie es auf Anfrage von ref.ch heisst.

Mehr Männer als Frauen

Insgesamt machten etwas mehr schwule als lesbische Paare von der neuen Möglichkeit Gebrauch. 2023 etwa heirateten 491 Männerpaare und 458 Frauenpaare. Im Jahr zuvor waren es 417 schwule und 361 lesbische Paare.

Im Schnitt waren gleichgeschlechtliche Paare bei der Hochzeit zudem älter als verschiedengeschlechtliche Paare. 2023 waren Männer bei der Hochzeit laut dem Bundesamt für Statistik durchschnittlich knapp 44 Jahre alt, die Frauen rund 38 Jahre. Sie waren damit rund 5-6 Jahre älter als die anderen Ehepaare. Viele lebten von ihnen schon seit Jahren in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen.

Lange Wartelisten für Samenspende

Für verheiratete Frauenpaare brachte die «Ehe für alle» noch eine weitere wichtige Änderung: Seit dem 1. Juli 2022 dürfen auch sie in der Schweiz eine Samenspende in Anspruch nehmen. Zuvor war diese Möglichkeit auf verschiedengeschlechtliche Ehepaare beschränkt.

Bereits kurz nach Einführung der «Ehe für alle» berichteten Medien über zahlreiche Anfragen und lange Wartelisten in den Kliniken. Im zweiten Halbjahr 2022 nahmen 70 gleichgeschlechtliche Paare eine Samenspende in Anspruch. 2023 waren es bereits 151.

Damit wurde die Eheöffnung für manche Paare nicht nur zur Frage des Zivilstands, sondern auch zur Voraussetzung dafür, einen bisher nicht verwirklichbaren Kinderwunsch zu erfüllen.

Zehn Länder zogen nach

2001 machten die Niederlande den Anfang: Als erstes Land weltweit öffneten sie die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Staaten, zunächst vor allem in Westeuropa.

Die Schweiz liess sich vergleichsweise viel Zeit. Am 26. September 2021 stimmten 64 Prozent der Stimmbevölkerung für die «Ehe für alle». Am 1. Juli 2022 trat die neue Regelung in Kraft. Damit gehörte die Schweiz zu den letzten westeuropäischen Ländern, die die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffneten. Italien ist heute das einzige westeuropäische Land, das diesen Schritt noch nicht vollzogen hat.

International hat sich die Rechtslage seither weiter verändert. Zu den jüngeren Ländern, die die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt haben, gehören Slowenien, Mexiko, Kuba und Chile (2022), Andorra (2023), Estland und Griechenland (2024) sowie Thailand und Liechtenstein (2025).

Fünf Jahre nach der Abstimmung ist die «Ehe für alle» damit in der Schweiz weitgehend Alltag geworden. Gleichzeitig zeigt etwa die Diskussion über den Zugang zur Samenspende für unverheiratete Paare, dass die rechtlichen Fragen rund um gleichgeschlechtliche Familien weiterhin in Bewegung sind.

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