Den Sonntagsgottesdienst abschaffen? «Geht gar nicht»
Soll der traditionelle Gottesdienst am Sonntagmorgen abgeschafft werden? Diese Frage wird unter Pfarrpersonen derzeit kontrovers diskutiert. Den Anstoss gegeben hatte ein Meinungsartikel der deutschen Pfarrerin Hanna Jacobs in der Wochenzeitung «Die Zeit». Jacobs argumentierte darin, der Sonntagsgottesdienst habe an Zulauf und Strahlkraft verloren. Es sei deshalb an der Zeit, ihn durch profiliertere Angebote zu ersetzen (ref.ch berichtete).
Nicht nur in den Kommentarspalten der Zeitung erntete Jacobs damit viel Widerspruch. In einem Gastbeitrag für ref.ch warnte der Zürcher Pfarrer Roland Portmann davor, den Sonntagsgottesdienst einfach abzuschaffen. Vielmehr müsse man neue und kreative Formen finden. Denn für viele Menschen sei der Sonntagsmorgendienst nach wie vor ein wichtiger Ort der Begegnung.
In die Debatte eingeschaltet hat sich nun auch Carla Maurer. In ihrer Kolumne für «CH Media» spricht die ehemalige Pfarrerin in der Swiss Church in London Klartext. Eine Abschaffung des Sonntagsgottesdienstes kommt für sie nicht in Frage: «Der Gottesdienst gehört zum Sonntag wie die Kirche ins Dorf».
Süffisant schreibt die Pfarrerin, die elf Jahre in London tätig war und seit kurzem wieder in der Schweiz lebt: «Kaum kehrt man der Schweiz ein paar Jahre den Rücken, wollen einige reformierte Kollegen und Kolleginnen auch noch den Sonntagsgottesdienst abschaffen. Geht gar nicht.»
Geht es nach unseren Leserinnen und Leser soll der Gottesdienst am Sonntagmorgen erhalten bleiben. In einer Umfrage auf ref.ch haben wir sie zu diesem Thema befragt.
176 Personen haben ihre Stimme abgegeben, das Ergebnis ist klar: Nur 28 Prozent sind für ein Ende des Sonntagsgottesdienstes. Für den vertrauten Termin haben sich 72 Prozent ausgesprochen.
Die Forderung, auf den Gottesdienst am Sonntagmorgen zu verzichten, sei «weltfremd und wenig inklusiv», argumentiert Maurer. Denn gerade für Neuzuzüger in einer Gemeinde sei die Gemeinschaft am Sonntanmorgen ein wichtiger Orientierungspunkt. «Wo alles unbekannt ist, ist es gut, zu wissen, dass am Sonntagmorgen verlässlich Gemeinschaft stattfindet.»
Das Argument, dass viele Sonntagsgottesdienste schlecht besucht seien, lässt Maurer nicht gelten. Denn: «Wo zwei oder drei zusammen sind, da bin ich mitten unter euch, hat eine christliche Koryphäe vor über 2000 Jahren einmal gesagt.» (no)