Kirchenpflege stellt sich hinter Solidara
Selten schaffen es Traktanden des reformierten Zürcher Kirchgemeindeparlaments in die Medien. Doch seit die Kommission für Diakonie, Bildung und Kommunikation (DBK) beantragt hat, die Sockelfinanzierung des Vereins Solidara Zürich zurückzuweisen, ist die Aufmerksamkeit gross. Medien wie der «Sonntags-Blick» oder die «Neue Zürcher Zeitung» haben über den Vorstoss berichtet.
Die DBK wirft Solidara (ehemals Zürcher Stadtmission) vor, «die christlichen Wurzeln verlassen» zu haben. Der Verein sei «konfessionell ungebunden». Deshalb solle die reformierte Kirchgemeinde den jährlichen Beitrag von rund einer halben Million Franken in der Periode 2025-2028 nicht mehr bezahlen (ref.ch berichtete).
Kirchenpflege stärkt den Rücken
Öffentliche Unterstützung erfährt der Verein jetzt von der reformierten Kirchenpflege. In einem Beitrag in den Sozialen Netzwerken hält sie fest, dass sie die Arbeit von Solidara für einen sehr wichtigen Beitrag für die Schwächsten in der Gesellschaft halte. Und: 2020 habe die Kirchgemeinde einstimmig beschlossen, die Arbeit des Vereins gemeinsam mit dem katholischen Stadtverband und der christkatholischen Kirche finanziell zu tragen.
Michael Braunschweig, Vizepräsident der Kirchenpflege, stellt auf Anfrage von ref.ch klar: «Das diakonische Erbe und der Bezug zu den christlichen Werten sind für die Kirchenpflege klar erkennbar.» Der Nachfolger der Stadtmission stehe in einer über einhundertjährigen Tradition des diakonischen Wirkens in der Stadt Zürich.
2020 habe das Parlament dem neuen Auftritt der Stadtmission unter dem Namen Solidara zugestimmt. Der einstimmige Entscheid habe auch eingeschlossen, dass sich der Verein als religiös und politisch unabhängig definiert.
Kritik am Auftritt
Dies hat die DBK in ihrem Rückweisungsantrag kritisiert. Priscilla Schwendimann, Vizepräsidentin der DBK-Kommission, erklärte im Gespräch mit ref.ch am 17. September, bei Solidara stehe nicht mehr das drauf, was drinstecke (ref.ch berichtete), seit einer Kirchenparlamentssitzung vom 19. September nimmt die DBK keine Stellung mehr.
Solidara-Geschäftsleiterin Beatrice Bänninger konnte die Argumente der Kommission nicht nachvollziehen. Denn: Eine interreligiöse Öffnung Solidaras sei seit Jahren vertraglich vereinbart. Michael Braunschweig, der Vizepräsident der Kirchenpflege, sagt dazu: «Wir anerkennen, dass die Frage des Auftritts von Solidara diskutiert werden kann.» Man sei offen für eine Diskussion über christliche Werte und was daraus abgeleitet werden könne. Doch Braunschweig zieht eine Grenze: «Die Kirchenpflege lehnt die Verknüpfung dieser Frage mit der Fortführung der Finanzierung der wichtigen Arbeit von Solidara ab.»
Ohne den finanziellen Beitrag der reformierten Kirchgemeinde wäre das Café Yucca, eine Anlaufstelle für Obdachlose und andere vulnerable Gruppen, ebenso in Gefahr wie die Beratungsstelle für Sexarbeitende Isla Victoria. Beide Einrichtungen betreibt der Verein.
Andernorts gibt es keine Diskussion: Die Delegiertenversammlung des katholischen Stadtverbands hat bereits im Juli den Beitrag an das Sozialwerk genehmigt und einer Erhöhung von knapp 500'000 auf rund 540'000 Franken zugestimmt. In einer Mitteilung nach der Versammlung steht: «Nicht erst seit der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass Solidara Zürich mit seinem niederschwelligen Kontaktkaffee und seiner Beratungsstelle für Sexarbeitende eine nicht mehr wegzudenkende Säule im Sozialnetz der Stadt Zürich ist.»