Nicht christlich genug: Frühere Stadtmission soll kein Geld mehr bekommen
Der Verein Solidara unterhält ein Café für Menschen ohne Obdach, eine Beratungsstelle für Sexarbeitende und eine Passantenhilfe. Seit 2020 wird er unter anderem von der reformierten Kirchgemeinde Zürich mit jährlichen Sockelbeiträgen unterstützt.
Einen Riegel will dem nun die Kommission für Diakonie, Bildung und Kommunikation (DBK) der Zürcher Kirchgemeinde schieben. Sie hat beim Kirchenparlament beantragt, die Sockelfinanzierung für die Jahre 2025 bis 2028 mit jährlich 0,54 Millionen Franken zurückzuweisen. Das berichtete die Nachrichtenagentur sda.
Beiträge befristen
Als Begründung führt die Kommission an, die ehemalige Zürcher Stadtmission, die heute unter dem Namen Solidara auftritt, habe ihre christlichen Wurzeln verloren. «Solidara hat sich von einem christlichen zu einem konfessionell ungebundenen Verein entwickelt. Die Diakonie erfolgt nicht mehr aus dem Evangelium heraus», hält die Kommission in ihrem Antrag fest.
Weiter heisst es: «Mit rund zwei Millionen Franken über vier Jahre ist die beantragte Sockelfinanzierung beträchtlich. In Zeiten knapper werdender Ressourcen müssen wir unsere Mittel gezielt für reformierte beziehungsweise christlich-diakonische Ziele einsetzen».
Die Kommission schlägt deshalb vor, die Sockelfinanzierung vorläufig auf die Jahre 2025 bis 2026 zu beschränken. Für eine weitergehende Finanzierung müsse sich Solidara aber wieder in einen christlichen Verein umwandeln.
Parlament entscheidet im Oktober
Die Zürcher Stadtmission wurde im Jahr 1862 vom damaligen Zentralkomitee der Evangelischen Gesellschaft gegründet. Sie hatte zum Ziel, innere Mission zu betreiben und kümmerte sich um Arme, Kranke und Frauen in der Sexarbeit. 2016 trennte sie sich von der Evangelischen Gesellschaft, um als selbständiger Verein auf eigenen Füssen zu stehen.
Das Parlament der Kirchgemeinde Zürich wird voraussichtlich in seiner Sitzung von Ende Oktober über das Geschäft entscheiden. (no)