Seenotretter protestieren gegen Blockade

Zum wiederholten Mal sitzt ein Seenotrettungsschiff in Italien fest: Die deutsche «Sea-Watch 4» darf Palermo nicht verlassen, nachdem Inspektoren Sicherheitsmängel moniert haben. Die Helfer protestieren: Ziel sei, Rettungseinsätze zu verhindern.


Die Helfer des kirchlichen Rettungsschiffes «Sea-Watch 4» werfen den italienischen Behörden Willkür vor, nachdem das Schiff im Hafen von Palermo festgesetzt wurde. Angeblich seien Sicherheitsmängel erkannt worden, erklärte Sea-Watch am 19. September auf Twitter: «Elf Stunden lang suchten die Inspektoren nach der Nadel im Heuhaufen – und fanden einmal mehr absurde Gründe, um uns festzusetzen. Mit dieser willkürlichen Blockade setzt die @guardiacostiera bewusst Menschenleben aufs Spiel!» Derweil rettete das ebenfalls deutsche Schiff «Alan Kurdi» am Samstag 133 Menschen in Seenot.

Die «Sea-Watch 4» war im August zu ihrem ersten Einsatz im Mittelmeer aufgebrochen und hatte mehr als 350 Menschen gerettet. Die Flüchtlinge hatten Anfang September – nach tagelangem Warten auf einen sicheren Hafen – das Schiff verlassen dürfen, die Crew blieb in zweiwöchiger Quarantäne vor Palermo an Bord.

Vorwürfe gegen italienische Behörden

Die «fadenscheinigen Begründungen» bei der Kontrolle hätten erneut gezeigt, dass es sich nicht um eine Überprüfung der Schiffssicherheit handele, sondern um ein Verhindern ziviler Seenotrettung im zentralen Mittelmeer, erklärte Sea-Watch gemeinsam mit dem Partner «Ärzte ohne Grenzen», der an Bord medizinische Hilfe leistete, und dem Unterstützerbündnis «United4Rescue». Der Hauptvorwurf der italienischen Inspekteure laute, die Rettung von Menschenleben entspreche nicht der Registrierung des Schiffes. Die «Sea-Watch 4» habe zu viele Rettungswesten an Bord und das Abwassersystem sei nicht für die Anzahl der geretteten Personen ausgelegt.

«Dass Seenotrettung als akute Nothilfe für alle Schiffe verpflichtend ist, wird ausser Acht gelassen», protestierten die Betreiber. Das Schiff erfülle alle Sicherheitsvorgaben des deutschen Flaggenstaates, wie die deutschen Behörden erst im Juli bestätigt hätten. Die «Sea-Watch 4» sei nun bereits das fünfte zivile Rettungsschiff, das binnen fünf Monaten von Italien an der Rückkehr in den Einsatz gehindert worden sei. «Diese Inspektionen sind politisch motiviert und dienen allein dem Zweck, Rettungsoperationen zu verhindern.» Auch die «Sea-Watch 3» der Hilfsorganisation war in diesem Jahr in Italien festgesetzt worden.

«Humanitäres Armutszeugnis»

Mit der «Sea-Watch 4» kriminalisiere die italienische Regierung nicht nur die Retter, sondern auch die über 600 Partner, die das Bündnis zur zivilen Seenotrettung unterstützen, erklärte Sandra Bils von «United4Rescue». Die «Sea-Watch 4», ein ehemaliges Forschungsschiff, wurde von dem massgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierten Bündnis finanziert. Der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der EKD, Manfred Rekowski, nannte die Festsetzung ein «humanitäres Armutszeugnis». Das widerspreche den Werten, für die die EU einst den Friedensnobelpreis bekommen habe. (epd/no)