«Sea-Watch» ruft Notfall aus und fährt in italienische Gewässer

Weil kein europäischer Hafen das Rettungsschiff «Sea-Watch 3» mit 42 Flüchtlingen an Bord einlaufen lassen will, hat die Crew nun den Notfall ausgerufen. Die Lage auf dem Schiff sei dramatisch.


Nach zwei Wochen vergeblichen Wartens auf die Genehmigung zum Einlaufen in einen europäischen Hafen hat das Rettungsschiff «Sea-Watch 3» den Notfall erklärt. Das Schiff mit noch 42 Flüchtlingen an Bord habe sich angesichts der verzweifelten Lage der Menschen gezwungen gesehen, in italienische Hoheitsgewässer einzufahren, teilte die Organisation am 26. Juni mit. Keine europäische Institution sei bereit, die Verantwortung zu übernehmen und die Menschenwürde an den Grenzen im Mittelmeer zu wahren, beklagten die Retter. Daher müssten sie nun selbst handeln.

Nach dem Scheitern eines Eilantrags der «Sea-Watch 3» vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte sich die Situation auf dem Rettungsschiff weiter verschärft. Die Seenotretter hatten vor dem Gericht beantragt, die aufgenommenen Flüchtlinge in Italien anlanden zu dürfen. In einer in Strassburg veröffentlichten Mitteilung erklärte der EGMR aber, die Situation an Bord des Schiffes rechtfertige derzeit keinen Zwang gegen Italien.

Die «Sea-Watch 3» hatte am 12. Juni 53 Menschen aus Seenot gerettet. Einige von ihnen wurden mittlerweile als medizinische Notfälle von Bord gebracht. (epd/bat)