Migration

Schiff «Geo Barents» in Italien festgesetzt

Seit Italien die Gesetze verschärft hat, ist die Arbeit für Rettungsorganisationen auf dem Mittelmeer erschwert. Nun soll eine Schiffscrew eine hohe Busse bezahlen, weil sie gegen das Gesetz verstossen habe.

Die italienischen Behörden haben das Rettungsschiff von «Ärzte ohne Grenzen» im Mittelmeer beschlagnahmt. «Die Behörden kamen an Bord der ‹Geo Barents› und benachrichtigten das Team, dass das Schiff festgesetzt wird und wir ein Bussgeld zu zahlen hätten», erklärte die medizinische Hilfsorganisation auf Twitter.

Die Besatzung habe aus dem Hafen von Augusta zu einem weiteren Rettungseinsatz auslaufen wollen, sagte ein Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Nachfrage. «Wir prüfen derzeit, welche rechtlichen Schritte wir unternehmen können.» Die Organisation nannte das Vorgehen der
Behörden inakzeptabel.

Nach Berichten der italienischen Zeitung «La Repubblica» hat die Präfektur von La Spezia das Schiff für 20 Tage beschlagnahmt und eine Busse von umgerechnet rund 11'000 Franken gegen «Ärzte ohne Grenzen» verhängt.

UN-Menschenrechtskomissar: «Gefährdet Leben»

Die Präfektur beruft sich dafür demnach auf das international umstrittene Seenotrettungs-Dekret, das nun auch im Senat in ein Gesetz umgewandelt wurde. Zur Begründung hiess es laut dem Bericht, die Besatzung habe nach dem letzten Anlegen in Ancona nicht alle Informationen bereitgestellt.

Die rechtsextreme italienische Regierung geht entschieden gegen private Rettungsorganisationen im Mittelmeer vor. Nach dem Parlament hat nun auch der Senat das umstrittene Dekret von Innenminister Matteo Piantedosi mit Vorschriften für die Seenotrettung in ein Gesetz verwandelt. Es sieht unter anderem vor, dass Schiffe nach einer Rettungsaktion direkt einen vorgegebenen Hafen ansteuern. Weitere Notrufe müssten demnach ignoriert werden.

Menschenrechtsorganisationen und die UN verurteilten die Regeln mehrfach. Nach Einschätzung des UN-Menschenrechtskommissars Volker Türk gefährdet das Gesetz Menschenleben und bestraft Retterinnen wie Gerettete.

Über 2000 Menschen ertrunken

Eine staatlich organisierte Seenotrettung gibt es auf dem Mittelmeer nicht, lediglich die Schiffe privater Hilfsorganisationen halten Ausschau nach in Not geratenen Flüchtlingen und Migranten.

Bei der gefährlichen Flucht über das Mittelmeer kamen laut der Internationalen Organisation für Migration im vergangenen Jahr mindestens 2367 Flüchtlinge und Migranten ums Leben oder werden vermisst. (epd/ jow)