Assistierter Suizid
Sarco-Erfinder ist «perplex» wegen Strafverfahren
Seit am 23. Oktober eine Amerikanerin in einem Waldstück bei Schaffhausen in einer Sarco-Kapsel starb (ref.ch berichtete), hat Philip Nitschke viele Probleme. Der australische Sterbehilfeaktivist und Erfinder der Suizidkapsel steht in der Kritik. Der Geschäftsführer seiner Schweizer Filiale sitzt in Untersuchungshaft. Die Polizei hat Nitschkes Büro in den Niederlanden durchsucht und beide existierenden Sarco-Kapseln wurden beschlagnahmt. In Schaffhausen läuft ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Tötung.
Nitschke hat der NZZ ein Interview gegeben und sagt darin unter anderem: «Ich bin perplex und zutiefst beunruhig über das, was hier passiert ist.» Er sei sicher gewesen, «im völligen Einklang» mit den Schweizer Gesetzen zu handeln. Gerüchte über Gewalteinwirkung während des Vorgangs weist er als absurd zurück und sagt, es liege noch immer kein Autopsiebericht vor.
Mittels verschiedener Kameras sei ihm der erste Einsatz der Kapsel live in die Niederlande übertragen worden: «Alles geschah genau so, wie wir es vorausgesehen hatten.» Als Vorsichtsmassnahme hätten seine Anwälte Nitschke geraten, dass nicht alle Verantwortlichen der Organisation vor Ort präsent sein sollten.
Der 77-Jährige fordert nach wie vor, dass assistierter Suizid leicht und ohne die Beurteilung durch einen Arzt oder eine Ärztin zugänglich sein müsse. Nach den Problemen in der Schweiz denkt er darüber nach, in Finnland aktiv zu werden: Dort gebe es kein «spezifisches Gesetz», das den assistierten Suizid verbiete. Er deutet zudem an, alternativ die Baupläne der Kapsel zugänglich zu machen. Damit könnten Sterbewillige Sarco «in einem 3D-Drucker herstellen, hineinsteigen und den Knopf drücken.» (dst)