Das explosivste Thema stand erst am Ende der Traktandenliste und gab am wenigsten zu reden: Zur Interpellation «Landeskirchliches Bibelverständnis im Umgang mit Fundamentalismus und Homosexualität» war eine Diskussion erwartet worden. Dies im Nachgang der Ereignisse bei der Pfarrwahl vom März in Bichelsee. Dort war wegen der Homosexualität des vorgeschlagenen Pfarrers eine heftige Debatte entbrannt. Dieser hatte daraufhin die Wahl nicht angenommen, obwohl er formal gewählt worden war.
Der Interpellant, Peter Kuster, hätte vom Kirchenrat eine rasche Klarstellung erwartet. Ebenso eine «unmissvertändliche Distanzierung von denjenigen, welche die Bibel zur Ausgrenzung von Menschen missbrauchen». Der 73-jährige ehemalige Spitalpfarrer wollte vom Kirchenrat in seiner Anfrage wissen, was dieser gegen Intoleranz und Ausgrenzung in den eigenen Reihen zu tun gedenkt.
Erst gerade besprochen
In der dreiseitigen Antwort schreibt der Kirchenrat, es werde unter jenen, die dem Pfarrer die Stimme nicht gegeben haben, viele gewesen sein, «die nicht aufgrund fundamentalistischer Argumentationsweise so entschieden haben, sondern eher aus einer wertkonservativen Grundhaltung heraus». Diese dürfe nicht schlecht gemacht werden. Ausserdem habe die Synode im Zusammenhang mit der neuen Kirchenordnung «erst kürzlich intensiv Diskussionen rund um Fragen der Homosexualität geführt».
Peter Kuster zeigte sich mit der Antwort des Kirchenrats nicht zufrieden. Der Kirchenrat spiele die Brisanz herunter, sagte er. Er stellte aber keinen Antrag auf Diskussion. Die Vorsynoden hätten ihm gezeigt, dass so heikle Themen in Arbeitsgruppen besser aufgehoben seien. Er verlas dann aber einen knappen Brief an den betreffenden Pfarrer und machte die Synodalen auf die Möglichkeit aufmerksam, den Brief im Anschluss an die Synode im Foyer zu unterzeichnen, was viele dann auch taten. «Es tut uns leid, dass Sie im Zusammenhang mit ihrer Wahl in einer für uns nicht akzeptablen Weise verletzt worden sind», steht darin, und weiter: «Wir distanzieren uns von jeder selbstherrlichen und aus unserer Sicht missbräuchlichen Bibelauslegung.»
Weitere Geschäfte:
Rechnung 2015
Die Rechnung 2015 schloss mit 450‘000 Franken bei einem Aufwand von 5,6 Millionen und einem Ertrag von gut 6 Millionen deutlich besser ab als erwartet. Grund dafür waren überraschend hohe Steuereinnahmen auf der einen Seite und unerwartete Stellenvakanzen auf der anderen.
Die Verwendung gab deshalb zu reden. Schliesslich entschieden die Synodalen, den Löwenanteil von 360‘000 Franken dem Eigenkapital zuzuweisen und mit 50‘000 Franken die Aktivitäten zum Reformationsjubiläum 2017-2020 vorzufinanzieren.
Gesprächssynode
Länger zu reden gab ein Vorschlag aus der letzten Synode: In einer Gesprächssynode sollen Ziele und Visionen für die Kantonalkirche gesetzt werden. Der Synodale Thomas Pfister äusserte sich skeptisch, Strategie und Zielsetzung sei Aufgabe der Exekutive: «Die Synode ist das falsche Gremium, eine Vision für unsere Landeskirche zu entwickeln.» Dem wiedersprach die Synodale Susanne Dschulnigg, sie wolle sich nicht das Recht nehmen lassen, Visionen zu formulieren: «Die Synode trägt Verantwortung für das Leben der Landeskirche.» Die Synode erteilte einer neunköpfigen Arbeitsgruppe schliesslich den Auftrag, der Herbstsynode ein Konzept für eine Gesprächssynode vorzulegen.
Fachstelle OeME
Auch eine Motion zur Schaffung einer Fachstelle Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit OeME sorgte für Gesprächsstoff. Bis 2009 hatten die Thurgauer eine solche Stelle. Der Kirchenrat argumentierte mit dem fehlenden Bedürfnis der Kirchgemeinden. Die Motionäre hingegen fanden, die Frage des Bedürfnisses könne dafür nicht massgebend sein. Ein Synodaler meinte, er habe die Zeit mit und ohne OeME erlebt, und es sei mit der Stelle nicht mehr passiert, «aber es hat 90‘000 Franken mehr gekostet.» Die Synodalen folgten dem Antrag des Kirchenrates und erklärten die Motion für nicht erheblich.