Pfarrer Maik Becker: «Ich möchte mir das nicht antun»

Zwar wählten die Thurgauer Kirchgemeinden Dussnang und Bichelsee Maik Becker zum neuen Pfarrer, doch sorgte seine Homosexualität in Bichelsee für rote Köpfe. Becker nimmt die Wahl nun nicht an. Im Interview-Auszug erläutert er Gründe und Hintergründe.

Maik Becker.
«Ich bin froh, dass ich meinen Glauben nicht verloren habe»: Maik Becker im Zürcher HB. (Bild: ref.ch/Matthias Böhni)

Maik Becker, Sie werden die Wahl ins Pfarramt nicht annehmen. Warum?
Maik Becker: Der Wirbel um meine Person und meine Lebensform würde nicht aufhören. Ich habe davor keine Angst, aber ich möchte mir das nicht antun. Ich will als Pfarrer arbeiten und nicht ständig meine Lebensform rechtfertigen müssen. Die Frohbotschaft sollte im Zentrum sein und nicht die Drohbotschaft.

 

Drohbotschaft?
Die Frohbotschaft ist: Alle sind in der Gemeinde und bei Gott willkommen. Aber wenn bereits der Pfarrer nicht richtig willkommen ist, wie soll das gehen? Die Drohbotschaft schliesst andere aus.

 

Es haben Sie aber auch viele Kirchbürgerinnen und -bürger gewählt.
Ja, dessen bin ich mir bewusst. Aber bei den anderen war ich nicht willkommen. Und wenn man sogar bei Mitarbeitenden der Kirchgemeinden Hass spürt, fängt das nicht gut an.

 

Die Frohbotschaft wäre ja auch eine Befreiung von Hass und Vorurteilen. Sie hätten sagen können: Jetzt erst recht.
Das stimmt. Aber im Grunde verbreite ich die Frohbotschaft an jedem Ort, auch hier in St. Gallen-Straubenzell, wo ich als Pfarrer arbeite. Und durch diese Geschichte ist jetzt im Thurgau sicher etwas angestossen worden.

 

Sind Sie enttäuscht oder eher erleichtert?
Beides. Enttäuscht bin ich, weil es in der Kirche einen Fundamentalismus gibt, den ich vorher nicht gespürt habe. Die Bibel wird missbraucht, um Menschen auszugrenzen. Das enttäuscht mich masslos.

 

Und warum erleichtert?
Weil ich den Mut gefunden habe, dieses Pfarramt abzulehnen. Sicher sind jetzt Leute auch enttäuscht, die mich gerne bei sich gehabt hätten. Aber es ist besser, rechtzeitig nein zu sagen als nachher im Schlamassel zu stecken. Ich bin auch froh, dass ich meinen Glauben nicht verloren habe.

 

Ihr Glaube hat gewackelt?

Lesen Sie das ganze Interview in der Zeitschrift Bref 7/16, die am 15. April erschienen ist.
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Pfarrer Maik Becker (38) wurde in Essen geboren und hat Theologie in Bochum, Marburg, Bonn und Wuppertal studiert. Seine erste Stelle hat er 2010 in der Kirchgemeinde St. Gallen-Straubenzell angetreten.