Missbrauchsvorwürfe
Kantonalkirchen suspendieren Pfarrerin
Die reformierten Kirchen der Kantone Neuenburg und Waadt haben eine Pfarrerin nach internen Untersuchungen suspendiert, wie Protestinfo berichtet. Auslöser war eine Meldung bei der kirchlichen Anlaufstelle für Missbrauch in Neuenburg. Dort war die Pfarrerin früher tätig, heute ist sie im Waadtland angestellt.
Die Leiterin der Anlaufstelle schätzt die Vorwürfe als «psychische, physische, finanzielle und spirituelle Form von Missbrauch» ein. Wie Protestinfo weiter berichtet, läuft ein Strafverfahren gegen die Pfarrerin. Es gilt die Unschuldsvermutung.
In Neuenburg stellte eine Untersuchungskommission Verstösse gegen die pastorale Berufsethik fest, «die das Ansehen und die Würde des Pfarramts beeinträchtigen», wird Synodalratspräsident Yves Bourquin zitiert. Die Suspendierung in Neuenburg gilt für sämtliche seelsorgerischen Tätigkeiten, auch ehrenamtliche Aufgaben. Zudem zieht der Synodalrat eine definitive Entfernung aus der Pfarrschaft in Betracht. Darüber müsste die Synode entscheiden.
Eine solche Massnahme wird nur in seltenen Fällen angewendet. 2009 beispielsweise in Graubünden. Ein Pfarrer soll damals von einer betagten Frau 130'000 Franken als Geschenk angenommen und später von ihrem Erbe profitiert haben. Das Bundesgericht bestätigte den Ausschluss 2011 in einem Urteil.
Auch die reformierte Kirche des Kantons Waadt, bei der die suspendierte Pfarrerin derzeit angestellt ist, hat Massnahmen ergriffen und die Frau beurlaubt. Laut dem Waadtländer Synodalrat Vincent Guyaz gibt es dafür zwei Gründe: «Es läuft ein Strafverfahren. Und Zeugenaussagen weisen auf erhebliche Abweichungen von den Anforderungen des Pfarrberufs hin.» Das hätten eigene, monatelange Untersuchungen gezeigt. Eine Kündigung wird ebenfalls in Betracht gezogen. (gab)