Protest gegen Abbau von SRF-Religionssendungen

Die geplante Streichung von Religionssendungen auf SRF stösst bei Kirchenvertretern auf Widerstand. Das Sparprogramm widerspreche dem Service public und es brauche eine journalistische Auseinandersetzung mit Religion, heisst es von reformierter und katholischer Seite.


SRF muss sparen, deshalb werden 211 Stellen gestrichen. Im digitalen Bereich sollen dafür 95 neue Stellen geschaffen werden. Gleichzeitig werden einige Sendungen eingestellt, unter anderem die Religionssendungen «Blickpunkt Religion» und «Zwischenhalt» (ref.ch hat berichtet). Dagegen regt sich nun Widerstand.

Man verfolge die Entwicklung mit «grosser Sorge», schreibt etwa der Kirchenratspräsident Lukas Kundert in einer Stellungnahme der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt vom 7.  Oktober. Denn in anderen Medien finde eine solche vertiefte Auseinandersetzung mit Religion kaum mehr statt. «Die SRF-Sendungen sind so etwas wie die letzte Bastion der Religion», so Kundert.

Neutrale Berichterstattung über Religion nötig

Ausserdem kritisiert Kundert, dass SRF mit dem Sendungsabbau dem öffentlichen Auftrag nicht mehr gerecht werde. Nur ein Service-Public-Medium könne neutral und sachlich über religiöse Inhalte berichten. Die Öffentlichkeit brauche aber «gute Information» über Religion. «Gerade heute, im Zeitalter von Verschwörungstheorien und religiösem Extremismus, hat die Gesellschaft einen erhöhten Bedarf an Medieninhalten, die vertieft, sachlich und präzise über Kirchen und Religionen informieren.»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt fordert SRF deshalb auf, die Sendungen im Programm zu behalten, oder aufzuzeigen in welcher Form SRF Inhalte über Religion künftig transportieren wolle.

«Gefährliche Irrfahrt»

Auch der Verein «Katholisches Medienzentrum», der unter anderem die Website kath.ch betreibt, fordert SRF auf, das Sparprogramm zu überdenken und lanciert eine entsprechende Online-Petition. Der Verein spricht in einer Medienmitteilung vom 8. Oktober von «einer gefährlichen Irrfahrt» von SRF. Eine offene Gesellschaft brauche «die kompetente, journalistisch geführte Auseinandersetzung mit allen Religionen». Zudem wird  befürchtet, dass mit der Streichung der Sendungen auch ein Stellenabbau von Journalistinnen und Journalisten mit theologischer und religionswissenschaftlicher Fachkompetenz einher geht.

Ausserdem kritisiert der Verein «Katholisches Medienzentrum», dass die Streichung der Sendungen den Service public untergrabe. Die SRG müsse unter anderem «das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Religionen» fördern, wie es in der Konzession heisst. Gerade nicht-christliche Religionen würden durch den Abbau der Sendungen an Präsenz in der Öffentlichkeit verlieren. Es brauche aber eine öffentliche Auseinandersetzung mit Religion, damit Fundamentalismus, Intoleranz und soziale Ausgrenzung verhindert werden könnten. (mos)