Über 22‘000 Unterschriften für welsche Religionssendungen

In weniger als zwei Monaten haben über 22‘000 Personen eine Petition unterschrieben, die sich gegen den Abbau religiöser Magazinsendungen beim Westschweizer Radio und Fernsehen RTS wehrt. Michel Kocher von der beteiligten reformierten Medienagentur Médias-Pro freut sich über das Resultat und hofft auf gute Verhandlungen mit RTS.

Die Sendung «faut pas croire».
Die Sendung «faut pas croire». (Bild: Screenshot RTS)

Nachdem RTS im vergangenen November ankündigt hatte, alle religiösen Magazinsendungen zu streichen, lancierte der Religionshistoriker Jean-François Mayer eine Petition. Diese forderte, dass RTS auf seinen Entscheid zurückkommt.

22‘410 Unterschriften sind bisher zusammengekommen, wie dem Portal für die Unterschriftensammlung «soutenonsreligion.info» zu entnehmen ist (Stand 5. Januar 2016, 14 Uhr). Sie sollen am kommenden Freitag, 8. Januar, der Direktion von RTS übergeben werden, heisst es in einer Einladung zu einer Pressekonferenz, die zuvor stattfindet.

Fünf National- und drei Ständeräte

Im Unterstützungskomitee der Petition, dem fünf Nationalräte und drei Ständeräte angehören, befinden sich auch Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und Kirchenbundspräsident Gottfried Locher.

Das RTS muss drei Prozent seiner Kosten einsparen. Für die Religionssendungen sollen die Hälfte der Gelder, nämlich 1,2 Millionen, gestrichen werden. Die Folge davon wäre, dass drei beliebte Magazinsendungen («A vue d ésprit», «faut pas croire» und «hautes fréquences») verschwinden. Produziert werden sie in der Westschweiz vom reformierten Medienunternehmen Médias-Pro und dem katholischen Pendant cath.ch.

Freude und Verblüffung

«Wir freuen uns sehr über die grosse Zahl der Unterschriften», sagt Michel Kocher von Médias-Pro. Mit 22‘000 Unterschriften aus der Romandie hätte man schon einen Fünftel der benötigten Unterschriften für eine eidgenössische Volksinitiative zusammen. «Die breite Unterstützung ist verblüffend, das gibt uns eine gute Verhandlungsposition», so Kocher.

Erfreulich sei, dass Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft und aus allen Religionen das Anliegen der Petition unterstützen. «Die Leute haben verstanden, dass unsere Sendungen nicht missionieren, sondern informieren und das Verständnis fördern wollen.»

Wie geht es jetzt weiter? «Am Freitag überreichen wir die Petition der RTS-Direktion. Dann warten wir, dass RTS uns sagt, wo genau gespart werden soll. Dann werde verhandelt. Allerdings will man RTS nicht unter Druck setzen. «Das wäre nicht gut und würde auch nicht der bisherigen Kultur zwischen der Kirche und RTS entsprechen, die von Goodwill und Vertrauen geprägt ist.»