Bestattungen

Pilz statt Holz: Bestatter bietet umweltfreundlichen Sarg an

Ein deutscher Bestatter wirbt für Nachhaltigkeit bei Beisetzungen: Er bietet einen Pilzsarg an, der sich innerhalb von Wochen ganz biologisch auflöst. Doch nicht auf allen Friedhöfen funktioniert das neue Konzept.

Am Anfang stand der Zufall. Bestatter Luis Bauer entdeckte mit seinem Vater auf einer Fachmesse einen Pilzsarg. Die beiden waren sofort begeistert. «Das war mal etwas ganz anderes», erinnert sich Luis, der in sechster Generation im Familienbetrieb in Fürth (De) arbeitet.

Das Produkt eines niederländischen Jungunternehmens für Erd- und Feuerbestattungen gilt als umweltfreundlich. Er wächst aus einem Pilz-Hanfgranulat in einer Form und kommt in der Herstellung ohne Wärme, Strom oder Licht aus.

Die Idee dahinter: Der Pilzsarg zersetzt sich in seine Bestandteile. Selbst die Tragegriffe sind aus Jute. Nach einer Beisetzung fangen die Pilze in der feuchten Erde an, zu wachsen. Der Verstorbene liege im Sarg auf Moos, erklärt Bauer. Der Pilz soll die Zersetzung des toten Körpers beschleunigen.

Pilzsarg ist ein Luxus

Selbst wenn sich dieser Sarg in der Breite durchsetzen würde, bestehe keine Gefahr, dass sich Friedhöfe in Pilzplantagen verwandeln, meint der Anbieter. «Die Pilze unterstützen die Mikroorganismen im Boden, aber sie gelangen nicht an die Oberfläche», sagt Bauer. Das Material fühle sich etwas styroporartig und wie ein Camembert an, erzählt der 20-jährige Bestatter.

Das Interesse an dem Sarg sei gross, am Ende falle die Entscheidung aber meistens doch für eine herkömmliche Lösung. Mit rund 2500 Euro (2300 Franken) liege man im höherpreisigen Produktbereich. Günstige Sperrholzvarianten zum Einäschern kosteten im Vergleich nur ein paar Hundert Euro.

Vorbehalte bei Friedhofsverwaltungen

Völlig unproblematisch ist eine Bestattung im Pilzsarg nicht. Das hänge oftmals von der einzelnen Friedhofsverwaltung ab. «Die Reaktionen sind gemischt, bei manchen ist es nicht möglich», erzählt der Bestatter. Das eigentliche Problem sieht Bauer in der Grösse: Der Sarg ist mit 2,16 Metern deutlich länger als ein herkömmlicher Sarg. Das könne beim Aushub eines Grabes Probleme bereiten, weil man möglicherweise durch das fehlende Standardmass auf Felsfundamente stösst.

Friedhöfe haben ausserdem einen genauen Blick auf die Bestattungsformen. Grundsätzlich soll sich ein Leichnam innerhalb der festgelegten Ruhefrist zersetzen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) aus Erlangen verweist deshalb auf Anfrage auf den «Hygieneleitfaden Friedhöfe». Demnach soll ein Sarg aus Materialien bestehen, die bei Erdbestattungen eine schadstofffreie Zersetzung ermöglichen. Dabei sei es insbesondere angesichts feuchter und lehmiger Böden, die in Bayern oftmals anzutreffen sind, notwendig, Störungen bei der Zersetzung des Leichnams vorzubeugen.

Hierbei erfülle ein klassischer Holzsarg mit seinem Hohlraum eine wichtige Funktion für die Zersetzung eines Leichnams. Mit Blick auf den Pilzsarg, der sich innerhalb von Wochen komplett auflöst, stellt das LGL fest: «Ob dies für einen guten Zersetzungsprozess ausreicht oder nicht, hängt von der jeweiligen Bodenbeschaffenheit des Friedhofes ab.» Entsprechend liege es an den einzelnen Gemeinden, mit einem individuellen Blick einen Pilzsarg zu genehmigen oder auch abzulehnen. (epd/ dst)

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