EKS kritisiert ÖRK wegen Kyrill-Treffen
Vor wenigen Tagen hat Ioan Sauca, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Kyrill I. getroffen. Die beiden Männer kamen im Moskauer Amtssitz des Patriarchen zusammen, dem Danilow-Kloster. Sauca habe appelliert, Kyrill I. solle klar für Frieden und Versöhnung einstehen, heisst es in einer Mitteilung des ÖRK. «Das würde der Welt sehr helfen und Ihre persönliche Haltung zu diesem Krieg zum Ausdruck bringen», betonte Sauca.
Kyrill I. antwortete darauf sinngemäss, Krieg könne niemals heilig sein. Jedoch betonte er: «Muss jemand sich selbst und sein Leben verteidigen, oder sein Leben zum Schutz des Lebens anderer Menschen geben, sieht es anders aus.»
Famos zeigt sich «entsetzt»
Nun meldet sich Rita Famos zu Wort, die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). In einem Facebook-Beitrag schreibt Famos, sie sei «entsetzt ob der Mutlosigkeit» der ÖRK-Delegation. Das Verhalten sei zudem eine «Respektlosigkeit.» Der Generalsekretär missachte, dass der Krieg an der ÖRK-Vollversammlung (vor wenigen Wochen Anfang September im deutschen Karlsruhe, ref.ch berichtete) klar als russische Invasion und Russland als Aggressor bezeichnet worden sei.
Die «heuchlerischen Worte» Kyrill des I. blieben unwidersprochen. Die Vertreter hofierten dem Patriarchen. Ein Dialog, der verneble, sei kein echter Austausch und zwecklos. «Diese Reise hat ihr Ziel verfehlt», hält Famos fest.
Präsidentin erntet Lob
Verschiedene Theologinnen und Theologen reagierten auf die Worte von Famos, darunter auch Michel Müller, Präsident der Zürcher Landeskirche. «Ein ganz starkes Statement», schrieb Müller in einer Antwort unter den Facebook-Beitrag. Müller hatte in einer Motion gefordert, die EKS solle sich beim ÖRK dafür einsetzen, dass dieser eine Suspendierung der Russisch-orthodoxen Kirche prüfe. Müller fand für sein Anliegen Unterstützung: Die Synodalen nahmen den Vorstoss an der Sommersynode im vergangenen Juni in Sion an. Der EKS-Rat und Präsidentin Famos hatten sich damals gegen eine Überweisung ausgesprochen. Eine Suspendierung könne nicht den gewünschten Effekt erzielen, hiess es.
Kyrill I. rechtfertigt den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der seit über acht Monaten andauert. Das Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.